weitweg 01/2019

Detmold also

1. Mai 2019 Kommentare (11) #E1DE, Deutschland, Fernwandern, Tourtagebuch

Rozznjogd

von Fräulein A

Als 1971 Peter Turrinis Rozznjogd uraufgeführt wurde, war aber noch so gar keine Rede davon, daß wir Jahrzehnte später die Ratten in Hameln suchen werden. Aber schön der Reihe nach.

Es ist also ein Jahr vergangen, das Buch zum E1 Nord ist heute erschienen, und wir haben uns auf den Weg nach Hameln gemacht, wo voriges Jahr das E1-Abenteuer geendet hat. Für Insider: was auffällt – kein Giebelkreuz kreuzte bislang meinen Weg, nein, es war das S mit dem i-Punkt, danach das geflügelte V, aber weit und breit kein Friedrich Wilhelm. Selektive Wahrnehmung? Vielleicht liegt es auch daran, daß mich heute die kleinen Vierbeiner viel mehr in ihren Bann ziehen als Pferdeköpfe auf Dachfirsten. Und davon gibt es in Hameln ja jede Menge. Der Sage nach ist der Rattenfänger 1284 durch den Ort gezogen und hat zuerst die kleinen Vier-, später die kleinen Zweibeiner mitgenommen. Was genau mit den Vierbeinern passiert ist, wissen die Gebrüder Grimm nicht zu berichten, sehr wohl aber, daß die Kinder bis Siebenbürgen gelotst worden sein sollen – ein weiter Weg, viel mehr Kilometer als unser E1 durch Deutschland hat.

Aber zurück zu den Ratten in Hameln. Man kann sie hier überall finden:

Im Straßenpflaster …
… in der Auslage der Keramik-Galerie Faita (www.keramik-galerie-faita.de) …
… in Hauseingängen …
… auf neueren, …
… älteren …
… und ganz alten Hausfassaden …
… und sogar am Denkmal zu den „Deutschen Ereignissen im Herbst 1989 und später“ – gemeint ist die Öffnung des Eisernen Vorhangs.

Übrigens gibt es einige sehr schön erhaltene alte Häuser in der Innenstadt – das älteste weist die Jahreszahl 1500 auf, aber auch vielen Häuse jüngeren Datums, wie etwa 1583 oder überhaupt schon 1710 und 1717, sind zu finden.

Letztes Jahr war der 1. Mai ein Schlechtwettertag, wir sind bei strömendem Regen durch das Wikingerdorf Haitabu bei Schleswig gewandert. Morgen erwartet uns der Klüt bei leicht bewölktem Himmel und angenehmen 17 Grad. Den Regen haben wir vorerst also in Wien gelassen.

Wilhelm Busch – übrigens ein weit jüngerer Genosse als die meisten der Häuser in der Altstadt (Geburtsjahrgang 1832) – sagte einst so schön: “ Gute Tiere, spricht der Weise, mußt du züchten, mußt du kaufen, doch die Ratten und die Mäuse, kommen ganz von selbst gelaufen. “ In diesem Sinne: Deutschland, wir kommen – oder besser: Deutschland, hier sind wir! Und freuen uns darauf, in den nächsten Wochen einige interessante Flecken zu be-gehen, -laufen, -wandern, -beschreiten zu können.


11 Responses to Rozznjogd

  1. Katharina sagt:

    Was ein genussvoller Leseauftakt … Möge Eure Wanderung ebenso sein! Ich werde es verfolgen … Und freue mich sehr darauf!
    LG vom E6 – auch in Deutschland -allerdings gen Ostsee

  2. K2 sagt:

    Hallo Ihr beiden.

    Schön, daß Ihr wieder unterwegs seid: Spargel, frische Kartoffeln und der erste neue Wanderblog der Saison. Der Sommer kommt … 🙂

    Wünsche Euch viel Spaß, tolle Erlebnisse und bestes Wanderwetter auf den Weg in den Süden.

    Liebe Grüße aus dem mittleren Franken,
    K2.

    P.S.: Das Posto-Tappa-Event in Wien soll dieses Jahr am Wochenende von KW34 (August) sein. Vielleicht sieht man ja den einen/die andere von Euch …

  3. Josef F sagt:

    Tolles Wetter! Trockene Schuhe! Das ist doch ein guter Start. Viel Freude und weiter so texten … und Fotos. Ich weis, das Buch kaufen und selber gehen. Ok. Herzlich Josef

  4. K2 sagt:

    Liebes Fräulein A. aus W.

    Zum Thema Dialekt (Überschrift) mußte ich sofort an meine Heimat denken.
    Da würde mal wohl sagen „Razznjachd“ (für Madagaskar sind das aber natürlich noch zu wenige „a“s pro Wort).

    Das „o“ findet man eher an Orten wie „Coborch“ 🙂

    Wobei Adverbien mit örtlichem Bezug üblicherweise mit „n“ beginnen und dafür vokalativ variabel sind („nauf“, „nunter“, „ninter“, „nüber“, „nei“, „naus“, „nem“, „na“, …).

    Selbstreflektierte Grüße vom Nicht-Flößer,
    K2.

    • Fräulein A sagt:

      Mit dem relatv gemütlichen „Razznjachd“ hätte Peter Turrini wohl nie für einen derartigen Skandal gesorgt wie eres mit dem im vergleich doch recht harten „Rozznjogd“ geschafft hat 😀

  5. Fräulein A aus E sagt:

    Hallo
    Super, dass es hier wieder weiter“geht“. Freue mich schon auf weitere Beiträge
    Also bei den Flößern geht man mit Buchstaben etwas sparsamer um, da gibts a Rads. Passenderweise zur Story in Hameln auch den Begriff „Mei klaaner Rads“ (da hätten wir wieder die aaaas) Übersetzung: Mein kleines Kind…

  6. Freu mich auch auf die Berichte. Ich schmunzel schon im Vorfeld.
    Lg V. R.-H.

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