{"id":3786,"date":"2016-09-30T14:45:47","date_gmt":"2016-09-30T12:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vergissmi.net\/?p=3786"},"modified":"2016-10-01T10:57:56","modified_gmt":"2016-10-01T08:57:56","slug":"acht-osem-otto-huit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vergissmi.net\/?p=3786","title":{"rendered":"Acht &#8211; Osem &#8211; Otto &#8211; Huit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die Etappe von St Etienne nach Roya geh\u00f6rt zu den Dingen, die man nicht gesehen haben muss.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Irgendwann musste er ja einmal kommen, der Tag, den keiner braucht. Kurz vor Acht stehe ich im Fr\u00fchst\u00fccksraum meines sternelosen Nachtquartiers &#8211; vor einem vollkommen leer gepl\u00fcnderten Buffet. Die f\u00fcnf \u00e4lteren Semester, die mich am Vorabend wortlos vom Gemeinschaftstisch delogierten, weil sie den Platz f\u00fcr ihren Tetrapak-Wein brauchten, sind wie die Heuschrecken \u00fcber das Dargebote hergefallen. Nur ein paar Teebeutel sowie ein leeres, umgeworfenes Saftpack&#8217;l zeugten davon, dass sich hier einst ein Buffet befand.<\/p>\n<p>Nun, dass es bei Tisch einmal knapp wird, kann ja passieren. Dass ich den Hauswart dieser Jugendherberge jedoch f\u00f6rmlich beknien muss, auch mir noch irgendeinen Gegenwert zu dem bereits am Vortag bezahlten Fr\u00fchst\u00fcck anzubieten, verhie\u00df bereits nichts Gutes f\u00fcr diesen Tag. &#8220;Kann ich etwas Kaffee haben? Ein wenig Milch? Gibt es noch etwas Brot? Und Butter vielleicht?&#8221; Begleitet von gro\u00dfem Z\u00f6gern und latentem Widerwillen erhalte ich kr\u00fcmelweise mein\u00a0<em>petit\u00a0d\u00e9jeuner. <\/em>Unzweifelhaft ist dem Wirt\u00a0in erster Linie am <em>petit<\/em> gelegen.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Stopp: Die Tourismusinformation. Die hatte bei meiner Ankunft Ruhetag, doch am n\u00e4chsten Tag um 9h w\u00e4re wieder jemand da, versprach das Schild an der T\u00fcr. Weil auf meiner Strecke bereits ein Quartiergeber nach dem anderen in eine Art postsaisonale Winterstarre verf\u00e4llt, erschien es mir n\u00e4mlich ratsam, die Stationen der kommenden Woche vorzubuchen.<\/p>\n<p>Nachdem mich am Fr\u00fchst\u00fcckstisch wirklich <span style=\"text-decoration: underline;\">nichts<\/span> hielt, war ich bereits eine halbe Stunde vorher dort. Brav wartete ich vor der T\u00fcr &#8211; und sah der \u00f6rtlichen Informationsbeauftragten bei wichtigen Telefonaten zu.<\/p>\n<p>Um Dreiviertel steht sie pl\u00f6tzlich auf und kommt zur T\u00fcr. Doch, wie sich zeigen sollte, nur um hinauszugehen &#8211; und hinter sich abzusperren. Gut, denke ich mir, wird sie sich halt noch schnell ein Wurstsemmerl holen, bevor die Action losgeht.<\/p>\n<p>Als sie um zehn nach Neun immer noch nicht zur\u00fcck war, beginne ich &#8211; inzwischen schon etwas ungeduldig &#8211; die Vitrine abzuschreiten. Und was entdecke ich? Dieses Cretin hat einfach das Schild getauscht! &#8220;Heut ist zu, kommt halt morgen wieder.&#8221;<\/p>\n<p>Und das, nachdem mir diese Gurk&#8217;n durchs Fenster eine halbe Stunde beim Warten zugesehen hat!<\/p>\n<p>Na mehr brauchst nimmer.<\/p>\n<p>Nachdem ich einem v\u00f6llig unbeteiligten Franzosen aufgeregt mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen mein Leid geklagt hatte, und er f\u00fcr meinen Weltschmerz nur ein lapidares &#8220;Sellerie&#8221; \u00fcbrig hatte, war f\u00fcr mich die Zeit gekommen, funkenspr\u00fchend diesen unseligen Ort zu verlassen.<\/p>\n<p>Es folgte ein fader Asphalthatscher, dem eine noch fadere Serpentinenspirale durch unvorstellbar faden Wald folgte.<\/p>\n<p>Auf halbem Weg gelange ich nach Auron, ein Wintersportort von beinahe sehenswerter Scheu\u00dflichkeit.<em> &#8220;Trotz des gut entwickelten Tourismusangebotes bewahrt das Dorf Auron noch die Spuren einer \u00e4lteren Geschichte&#8221;<\/em>, ist der Tourismusverband (also das M\u00e4del mit den flexiblen Arbeitszeiten) nicht verlegen, dieses Fegefeuer sch\u00f6nzureden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vergissmi.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20160927_111641-1280x720.jpg\" rel=\"lightbox[3786]\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3787\" src=\"https:\/\/www.vergissmi.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20160927_111641-1280x720.jpg\" alt=\"20160927_111641-1280x720\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/www.vergissmi.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20160927_111641-1280x720.jpg 1280w, https:\/\/www.vergissmi.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20160927_111641-1280x720-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.vergissmi.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20160927_111641-1280x720-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass der Abstieg nach Roya \u00fcber eine sch\u00f6ne Hochalm mit Blick Richtung <a href=\"http:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Mont_Mounier\" target=\"_blank\">Mont Mounier <\/a>verl\u00e4uft, vermochte dieses Streichresultat nicht mehr zu retten.<\/p>\n<p>Weshalb sich die Macher der Via Alpina hier inmitten des wundersch\u00f6nen Nationalparks Mercantour zu einer derartig unverst\u00e4ndlichen Wegf\u00fchrung hinrei\u00dfen lie\u00dfen, l\u00e4sst sich eigentlich nur mit <em>au\u00dferordentlichen Zuwendungen<\/em> erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Res\u00fcmee: Einen Tag von hundert halte ich aus. Augen zu und durch, dann der n\u00e4chste Tag l\u00e4sst alles wieder vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Etappe von St Etienne nach Roya geh\u00f6rt zu den Dingen, die man nicht gesehen haben muss.<\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"author":61,"featured_media":3787,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[191,190,236,6],"tags":[238],"class_list":["post-3786","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sunnysideup","category-fernwandern","category-frankreich","category-tourtagebuch","tag-fegefeuer","gallery-content-unit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/61"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3786"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3834,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3786\/revisions\/3834"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3787"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}