{"id":4312,"date":"2018-04-28T07:31:21","date_gmt":"2018-04-28T05:31:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vergissmi.net\/?p=4312"},"modified":"2018-11-23T08:37:50","modified_gmt":"2018-11-23T07:37:50","slug":"e1de-tag-00-ganz-weit-oben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vergissmi.net\/?p=4312","title":{"rendered":"[E1DE Tag 00] Ganz weit oben"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>20F und 20E. Das sind die zwei Sessel, wie wir vor etwa einer halben Stunde besetzt haben &#8211; und von denen wir uns erst in etwa 1,5 Stunden zu erheben gedenken. 1000 km weiter n\u00f6rdlich &#8211; aber was ist das schon &#8230;<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der letzte gemeinsame Weitwanderweg? Das muss wohl 2012 gewesen sein, als Fr\u00e4ulein A und ich den Alpe Adria Trail bestritten. Unsere damalige Tour begann ebenfalls Ende April. Dazwischen vergingen fast auf den Tag genau sechs Jahre.<\/p>\n<p>Und f\u00fcnf Buchprojekte. Wobei unser Alpe-Adria-Trail-Buch (\u00fcbrigens mittlerweile in der dritten Auflage) leider das einzige war, wo wir wirklich von Anfang bis zum Schluss gemeinsam dran bleiben konnten. Seit 2012 nagt Astrids T\u00e4tigkeit an den Hebeln der giebelgekreuzten Macht unangenehm an der uns zur Verf\u00fcgung stehenden Sommerfreizeit. Ich tu mir mit der Zeiteinteilung etwas leichter, da ich seit Jahren nur mit Partnern zusammenarbeite, die wissen, dass ich w\u00e4hrend der Wandersaison nicht f\u00fcr irgendwelche &#8220;Haus&#8221;-Aufgaben zur Verf\u00fcgung stehe. Daf\u00fcr sind dann halt die Winterabende ein wenig l\u00e4nger &#8230; und die Winterwochenenden ein wenig k\u00fcrzer. Fr\u00e4ulein A warf daf\u00fcr ihren Jahresurlaub in die Waagschale, um bei unserem neuen Buchprojekt wieder an vorderster Front dabei sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist in vielerlei Hinsicht unser gr\u00f6\u00dftes Projekt bisher: Wir stehen ab morgen fr\u00fch vor der spannenden Herausforderung, einen Wanderf\u00fchrer zu verfassen, wie es ihn in dieser (Strecken-)L\u00e4nge in Europa noch nicht gibt. Selbst mein letztes Buch ist 600 Kilometer k\u00fcrzer als unser neuestes Baby. Dabei war Wien &#8211; Lago Maggiore mit seinen 1300 Kilometern der &#8220;l\u00e4ngste&#8221; Wanderf\u00fchrer der Alpen.<\/p>\n<p>Unser neues Buchprojekt ist meines Wissens der erste Weitwanderf\u00fchrer, der im Bergverlag Rother in zwei B\u00e4nden erscheinen wird. Schon im Vorjahr habe ich mit &#8220;Wien &#8211; Lago Maggiore&#8221; die maximale Seitenanzahl meines Verlagshauses bis aufs letzte Blatt ausgereizt. Knapp 300 Seiten sind f\u00fcr einen Wanderf\u00fchrer schon ordentlich viel &#8211; deshalb sind diesmal von (Verlags-)Haus aus gleich zwei B\u00fccher geplant.<\/p>\n<p>Heuer bleibt der Alpenraum allerdings einmal au\u00dfen vor &#8211; auch andere Gegenden haben sch\u00f6ne Wanderwege. So werden wir uns (und sp\u00e4ter im Jahr nochmals ich alleine) heuer ausschlie\u00dflich weit im Norden herumtreiben.<\/p>\n<h3>Deutschland nord-s\u00fcd<\/h3>\n<p>Genau diese Aufgabe wird uns also zumindest bis 2020 begleiten. Wenn wir morgen hoch oben an der d\u00e4nisch-deutschen Grenze unsere Sonnenh\u00fcte Richtung S\u00fcden ausrichten, erwartet uns ein f\u00fcr uns v\u00f6llig neues Terrain. Auf den Mor\u00e4nen einer Eiszeit, die mit unserer &#8220;W\u00fcrm&#8221; Eiszeit nur mittelbar verwandt ist, beginnt unsere anfangs nicht von allzuvielen H\u00f6henmetern gepr\u00e4gte Tour entlang der deutschen Ostseek\u00fcste (wobei uns am Vormittag bereits knapp 300 H\u00f6henmeter erwarten &#8211; wer h\u00e4tte das gedacht?). In unserer ersten Tourenwoche entlang der Achse Flensburg &#8211; Kiel &#8211; L\u00fcbeck hat Fr\u00e4ulein A gen\u00fcgend Gelegenheit, die Segelboote zu beobachten, die an der Wahl unseres Startpunktes nicht ganz unbeteiligt waren. Immerhin verbrachte Fr\u00e4ulein A dereinst in ihrer aktiven Segelzeit viele Tage auf offener See.<\/p>\n<p>Nach L\u00fcbeck schwenken wir dann in Gehrichtung stark nach rechts, um irgendwann nach zwei-drei Wochen Hamburg zu erreichen. Bald nach der Elbe-\u00dcberquerung f\u00e4ngt Deutschland an, Falten zu kriegen. Unser Nachbar hat zwar den Ruf, in Sachen H\u00f6henmeter nicht besonders viel Abwechslung zu bieten, aber das ist Bl\u00f6dsinn. Nieder\u00f6sterreich zum Beispiel hat ebenfalls keinen ernstzunehmenden Anteil an den Alpen mehr, aber kein Mensch mit Kenntnis der Region w\u00fcrde in Abrede stellen, dass es dort nicht auch ordentlich auf und ab gehen kann. Und so ist&#8217;s in Deutschland auch, wo man sich am Weg von Nord nach S\u00fcd sehr bald nach Schleswig-Holstein an die Voralpen erinnert f\u00fchlt. Gebirgsz\u00fcge, die zwar nicht oft \u00fcber 600 m Seeh\u00f6he hinauskommen, am Ende des Tages aber trotzdem 1000 Meter im Aufstieg zusammenbringen. Der h\u00f6chste Punkt unserer gesamten Tour kommt \u00fcbrigens erst n\u00e4chstes Jahr dran. Der Freiberg im Schwarzwald ist mit seinen 1400 Metern angeblich so hoch, dass man von dort oben mit freiem Auge die Chinesische Mauer ausmachen kann.<\/p>\n<h3>Europa nord-s\u00fcd<\/h3>\n<p>Unser Leitthema ist diesmal ein Wanderweg namens E1. Er ist einer von zw\u00f6lf Fernwanderwegen, die sich quer \u00fcber Europa spannen. Der E1 verl\u00e4uft vom Nordkapp bis an die S\u00fcdspitze Siziliens. Dabei ber\u00fchrt er auf insgesamt 7000 Kilometern zuerst alle skandinavischen L\u00e4nder, bevor er \u00fcber Deutschland und die Schweiz den italienischen Stiefel anvisiert. Wer alle Abschnitte (=L\u00e4nder) dieses Weges durchqueren m\u00f6chte (so wie ich), hat an der d\u00e4nisch-deutschen Grenze bereits die H\u00e4lfte der gesamten Strecke hinter sich. Das muss man sich einmal vorstellen! Man ist bereits f\u00fcnf Monate immer Richtung S\u00fcden unterwegs, und ist gerade erst mal in Berlin!<\/p>\n<p><iframe title=\"Hiking Europe N to S - Ep.15 - Adapting to Germany\" width=\"1778\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/keWZ_eAHG6Y?start=2&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Jedenfalls: Dieser E1 ist ein europaweites Gemeinschaftsprojekt vieler vieler VIELER Wandervereine, die in ihrem jeweiligen Zust\u00e4ndigkeitsgebiet diesen Fernwanderweg mal vorbildhalft, mal weniger aufmerksam markieren. Insgesamt gilt er als &#8220;durchg\u00e4ngig in der Landschaft vorhanden&#8221;, wenn man von einer L\u00fccke in Kalabrien absieht, die aber wohl auch noch vor 2020 geschlossen wird. Wie gut er auf den 1900 Kilometern zwischen Flensburg und Konstanz tats\u00e4chlich markiert ist, wird sich weisen. Die wenigen Berichte zu Gesamtbegehungen, die es im Internet gibt, meinen, es w\u00e4re wie \u00fcberall: Mal so, mal so. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Bericht einer Wanderin, die irgendwo in Schleswig im Moor stecken geblieben ist und von Helfern rausgezogen werden musste.<\/p>\n<h3>2000 km weiter oben<\/h3>\n<p>Unsere Sitze 20F und 20E haben wir inzwischen verlassen und befinden uns nach einem kurzen Gastspiel am Hamburger Hauptbahnhof auf dem Schienenstrang Richtung Flensburg. Im Moment sieht&#8217;s gut aus, dass wir in Kupferm\u00fchle an der d\u00e4nischen Grenze noch etwas zu essen bekommen. Wie jeder Mensch, der sich gr\u00fcndlich auf eine solche Expedition vorbereitet, \u00fcberlassen auch wir auch da oben im rauen Norden nichts dem Zufall: Die Satellitenkameras von Google haben uns dabei geholfen, die Entfernung von unserem Quartier zur Ortspizzeria schon vorab auszuloten.<\/p>\n<p>Damit schlie\u00dfe ich f\u00fcr heute. Aus dem linken Zugfenster sehe ich gerade bis nach Holland, und das rechts hinten d\u00fcrfte Polen sein. Das ist gerade alles sehr spannend hier. Und neu &#8211; gro\u00dfe Vorfreude!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><div class=\"tmnf_excerpt\"><p>20F und 20E. Das sind die zwei Sessel, wie wir vor etwa einer halben Stunde besetzt haben &#8211; und von denen wir uns erst in etwa 1,5 Stunden zu erheben gedenken. 1000 km weiter n\u00f6rdlich &#8211; aber was ist das schon &#8230;<\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"author":61,"featured_media":4316,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[246,247,190,6],"tags":[250,248,249,251],"class_list":["post-4312","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-e1de","category-deutschland","category-fernwandern","category-tourtagebuch","tag-deutschland","tag-e1","tag-fernwanderung","tag-schleswig-holstein","gallery-content-unit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4312","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/61"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4312"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4312\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4817,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4312\/revisions\/4817"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4316"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4312"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4312"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vergissmi.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4312"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}