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Triglav (2864 m) & Farewell, folks!

Heuer geht auf der “ewigen Wunschliste” einiges weiter: In Sachen “Kalkberge” war insbesondere die zweite Sommerhälfte sehr ergiebig, konnte ich doch – verteilt auf mehrere Wochenenden – meine Positonsmarke am 1000 km langen Nordalpenweg vom Gesäuse übers Tote Gebirge und das Dachsteinplateau bis weit ins Salzburger Land verschieben. Und nun fand sich auch auch ganz im Süden noch ein geeignetes Zweitagesfenster, um in der Nachsaison endlich einmal den Triglav zu besteigen.

Dem höchsten Berg Sloweniens kann man auf unzähligen verschiedenen Routen zu Leibe rücken. Allen gemein ist, dass man ganz unten im Tal beginnen muss – Alpenstraße oder Seilbahn gibt es auf keiner Seite. Für normale Menschen ist es daher eine Zweitagestour, da plusminus 2000 Höhenmter rauf und runter einzuplanen sind. Meistens geht man am ersten Tag rund 1700-1800 m rauf, schläft auf einer der beiden Gipfelhütten, macht am nächsten Morgen den Gipfel und geht danach wieder ins Tal runter.

Ich habe lange (naja … gelogen) überlegt, welchen Weg ich für Auf- und Abstieg nehmen werde. Letztlich war mir aber vor allem wichtig, dass ich tagsüber meine Ruhe habe und nicht im Gänsemarsch raufpilgern muss. Ich habe mich deshalb für die Variante mit den meisten Höhenmetern entschieden: Aufstieg über das Kot-Tal, Übernachtung auf dem Triglavhaus und dann Abstieg durch das Krma-Tal. Als Startpunkt diente der allererste Parkplatz im Krma-Tal. Um “Future Me” eine Freude zu machen, habe ich vorher noch mein MTB hinten beim letzten Parkplatz im Tal versteckt.

Der Parkplatz ganz draußen ist naturgemäß der tiefstgelegene in der Gegend (Kinja Vas, 775 m). Was ich nämlich nicht wollte ist, an Tag II am Ende der Tour noch bergauf zurück zum Auto radeln zu müssen. Deshalb habe ich das Auto auf den “Ui da werde ich mich morgen freuen”-Parkplatz gestellt und bin ich von dort zuerst aus dem Tal raus, um ins Nachbartal zu wechseln, welches knapp 100 Höhenmeter weiter oben seinen Ausgang nimmt.

Im Kot-Tal war ich dann den überwiegenden Teil des Tages alleine unterwegs – ich mag das Geräusch, wenn keiner red’t. Zu Beginn geht es erst einmal eine Stunde ohne Steigungen ins Tal hinein, bevor es durch schönen Laubwald rauf in die felsige Steilstufe am nächsten Bild raufgeht. Hier warten ein paar Seilversicherungen, aber nix Giftiges.

Nach rund 4 1/2 Stunden ist die erste Hütte am Kalkplateau, die Dom Valentina Staniča auf 2332 m, erreicht …

und es gibt Jota – den großartigen Eintopf aus Kraut und Bohnen.

Apropos “Da werden sie sich im Matratzenlager aber freuen”: Hier könnte man eigentlich auch gut übernachten, wenn man dem Rummel im (300-Betten) Triglavhaus ausweichen möchte. Weit ist es ja nimmer: Von hier zum Triglavhaus kann man in 1,5 Stunden entweder untenrum um den Vorgipfel herum gehen oder man nimmt den nicht besonders fordernden Klettersteig über den Gipfel Kredarici

… der in einer guten Stunde rauf zur höchsten Hütte Sloweniens, dem Triglavski dom na Kredarici auf 2515 m führt.

Es ist 15:30 h, das Wetter taugt mir, und ich beschließe nach dem Hütten-CheckIn, dass ich den Gipfel auch gleich heute anschleiche. Ob 1800 oder 2100 Höhenmeter ist ja wirklich auch schon wurscht – natürlich stark von der Motivation getrieben, lieber heute alleine raufzugehen, als morgen Früh mit allen Nächtigungsgästen gleichzeitig aufzubrechen.

Weit isses ja nimmer …

… allerdings ist “1 h” für 300 Höhenmeter am Klettersteig für mich unrealistisch. Ich kalkuliere mit 1:15 rauf und 1:30 runter – so sollte sich auch das Abendessen noch ausgehen. Ich habe also von 16:15 bis 19:00 Zeit.

Vorausgeschickt: Habe ich nicht geschafft, erstens bin ich nicht so super, und ich wollte mich wegen der Halbpension auch nicht unbedingt stressen. (Ich werde erst um 19:20 – also nach über 3 Stunden – wieder bei der Hütte sein.)

Der Klettersteig beginnt gleich bei der Hütte, es geht gleich tendenziell luftig Richtung Kleinen Triglav.

Ab dem “Kleinen” – der auch weit über 2700 Meter vorzuweisen hat, geht es dann am Grat weiter.

Alle paar Minuten gilt es, sich mit entgegenkommenden Wanderern eine gute Stelle fürs Passieren auszuschnapsen.

Na jedenfalls – irgenwann war der Berg dann wirklich aus. Und es ist sich tatsächlich vergleichsweise entspannt an einem Tag ausgegangen.

Oben der Wahnsinn – in jede Richtung.

Meine Sommerpraktumsstelle – die Samhütte auf der Turracher Hütte – konnte ich jedoch nicht ausmachen. Ich hätte soo gern einmal “zurückgeschaut” von dem Berg, den ich zweimal die Woche sehe, wenn ich die Terrasse aufpoliere.

Doch ein aufziehender Nebel verspricht Ungemach, außerdem ist es bereits 18 Uhr, als ich mich ungern, aber im Selbstbildnis grundvernünftig, wieder Richtung Abstieg aufmachte. Bissi Respekt vorm Abstieg hatte ich ja auch, also wollte ich alles nur keinen Zeitstress.

Retour zum Triglavhaus geht es am Aufstiegsweg. Der Slowenische Alpenverein hat den Weg aber sowas von perfekt angelegt, dass es runter dann eh nicht länger gedauert hat als rauf.

Tja, wie gesagt, das Abendessen ist sich nicht ausgegangen, aber WAS FÜR EIN TAG!!!

Die nette Hüttencrew hat zwar kein Menü-Essen mehr für mich, doch ich bekomme noch eine Riesenportion Makkaroni&Cheese, investiere zusätzlich 36 Euro in 4x Zlatorog (–> Makkaroni 17€, Bier 8 Euro/Dose plus Erhaltungsbeitrag fürn Kellner) und der ganze Tag und Abend ist “as good as it gets”.

Am nächsten Morgen großes Schaulaufen zum Sonnenaufgang.

Gleichzeitig war auch schon Richtung Gipfel einiges los. Die ersten Kameradschaften waren überhaupt schon vor 5 Uhr mit Taschenlampen am Seil (wer findet sie? 🙂

Für mich geht’s nach dem Frühstück jedoch diretissima talwärts – der Abstieg durch das Krma-Tal ist völlig frei von irgendwelchen Kletterstellen, und die angeschriebenen 3 Stunden waren gut zu schaffen.

Und wie von mir gestern wohlwollend vorbereitet, freute ich mich im Tal unten über das gestern von mir zur Verfügung gestelllte Hilfsmittel …

… und war nach 6 Kilometern gemütlichem Rollen am späten Vormittag wieder retour beim Ausgangspunkt.

Ein paar Worte für die, die bis hierher durchgehalten haben:

Ich hatte heuer einen super Tourensommer. Da beruflich vor dem Sommer ein Langzeitprojekt endete, bot sich die Möglichkeit, mich nicht sofort und gleich ins nächste Geldbeschaffungsprogramm zu stürzen, sondern “einen Sommer wie damals” zu machen. Seit März bin ich wieder (Teilzeit-) Hüttenwirt im Verbund mit einem der sympathischten Unternehmen, das ich kenne, dem Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe. Mittwoch und Samstag bin ich für die “Schoberia” auf einer kleinen feinen entlegenen Alm und hab dort Bildschirmpause.

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Triglav war ein bisserl die Solo-Arie der heurigen Berg-Oper. Deshalb gab’s auch wiedermal einen Tourenbericht, weil ein 24h Stunden WhatsApp-Status ist mir dafür zu schade.

Und auch der letzte Bericht hier. Irgendwie scheint mir die Zeit der Tourenblogs an ihr natürliches Lebensende gestoßen zu sein.

Danke fürs Durchhalten über 16 Jahre,

Euer
vergissmi.net 🙂

Ein paar ungeordnete Notizen für alle, die via Google zum Handkuss gekommen sind:
– Wasser im Kot-Tal gibt es auf rund 1400 m das letzte Mal (im Herbst ca. 1 l/min Ausstoß)
– Wasser im Krma-Tal gibt es auf rund 1700 m reichlich
– im Triglavhaus spannen sich die Übernachtungspreise von 20 bis 200 Euro. Ich buche nie lange im Voraus, weil ich nach Wetterlage buche. Im Herbst gibt es auf 3-4 Tage im Voraus noch vernünftige Preise, ich habe 35 Euro für einen Lagerplatz im 11er Lager bezahlt
– Ohne Klettersteigset würde ich den Gipfel nicht machen wollen
– Es gibt bis Mitte September Wanderbusse in alle Täler der Nordseite (andere Seiten hab ich mir nicht ang’schaut)

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Last modified: 18. September 2026
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