Written by 09:58 #E1NO, Fernwandern, Norwegen, Tourtagebuch • 16 Comments

[#E1NO] Abflug!

Dieser Artikel hat überhaupt keine Einleitung.

Auf dem Weg von Wien nach Lappland lernt man zwischen halbelf Vormittag und Mitternacht sechs Flughäfen kennen. Nach Schwechat bildet die Shopmeile von Oslo mein Nachmittagsprogramm, nachdem zur Einstimmung mein Anschlussflug nach Tromsö ausgefallen ist. Das war übrigens der erste von zwei Fliegern, der heute den Dienst verweigerte. So hatte ich bei einem Burgershop Gelegenheit, mich sanft an das hiesige Preisniveau zu gewöhnen. Das “Menü” auf dem nächsten Bild schlug sich mit 35 Euro zu Buche. Vis-a-vis hätte es eine Pizzaschnitte in der Größe einer Mannerschnitte gegeben, aber 15 Euro erschienen mir dann doch etwas verwegen.

Kurz vor 19 Uhr und der Konsultierung von vier Bankomaten ging es weiter. Nachdem die Mitternachtssonne derzeit für beste Sicht sorgt, kann ich mir von Dänemark bis Hammerfest die sich langsam verändernde Landschaft ansehen – das Buch blieb jedenfalls in der Tasche.

In Tromsö stand ein Propellerflugzeug für Weiterreisende Richtung Norden bereit, welches ich nur sehr ungern versäumen wollte. Nach einem ausgefallenen Flug und einer ordentlichen Verspätung beim Ersatzflug war ich bereits in Sorge, ob sich das denn alles überhaupt ausgehen kann.

Doch da kam mir ein neuerlicher Flugzeugausfall in Tromsö zupass – der kleine Propellerflieger wollte nicht so, wie er soll …

… und so verzögerte sich der Abflug ein drittes Mal. Kurz vor 22 Uhr ging es dann in einem anderen Propellertaxi weiter. Ein absolut geiles Erlebnis war das! Ich bin mit sowas noch nie geflogen, und hatte einen Traumplatz direkt bei der Tür rechts im Bild. So war ich der einzige im ganzen Flieger, der überhaupt etwas sah, wenn er beim Fenster rausschaute. Auf jedem anderen Platz hat man den Trägerflügel quer im Bild.

Wie zu erwarten war, liegt auf den Bergen nördlich von Trondheim stellenweise noch Schnee, wie man durch die stetig dichter werdende Wolkendecke erkennen konnte. Überhaupt war es schon merklich frisch, wie ich bereits unterwegs feststellen konnte.

Denn ab Tromsö verhielt sich mein Flieger wie ein Landschulbus – in jedem größeren Ort am Weg wurde Halt gemacht, ein paar Leute stiegen ein, und ein paar andere verabschiedeten sich beim Steward, indem sie ihn mit dem Vornamen ansprachen. Vor mir sitzt ein Mädel von der Royal Norvegian Army, neben mir ein Bursch mit Holzfällerhemd und Holzfällerbart. Ich tippe auf Student.

Den Namen des nächsten Flughafens habe ich vergessen. Er hieß so wie ein schwedisches Nachtischlamperl, KATVIK oder so. Der übernächste war dann bereits Hammerfest mit seiner extrem kurzen Landebahn. Doch der Pilot, zu dem ich bereits großes Vertrauen hatte – die Einheimischen grüßen auch ihn mit Vornamen – setzte sich auf die Landepiste drauf wie eine Möwe, die sich auf eine dieser Schären in Ufernähe runterlassen, als gäbe es kein Morgen.

Der sechste und letzte Flughafen dieses langen Tages war irgendwann kurz nach Mitternacht erreicht. Angeblich ist Honningsvåg der der nördlichste Flughafen Europas, woraus ich schlussfolgere, dass man als Urlauber nur mit den Hurtigruten nach Spitzbergen kommt.

Der Schulbus flog noch nach Mehamm weiter. Wer dort noch nicht genug hat, muss zu Fuß weiter.

Man könnte sich vom Airport Honningsvåg mit dem Taxi in die Ortsmitte (im Bild rechts) bringen lassen, aber ich bin heute schon genug gesessen und entscheide mich, die 3 km zu Fuß zu gehen. Kurz vor dem Zentrum war ich dann doch etwas verwundert, dass mein Quartier nirgends beschildert war. Ein Blick auf die Karte zeigte, dass ich bereits nach 20 Minuten irgendwo rechts abbiegen hätte müssen, und wenige Hundert Meter später beim Quartier gewesen wäre. Inzwischen war es halbzwei Uhr morgens – ich kapitulierte und fuhr mit dem Taxi zurück zum Quartier, wo die Rezeptionistin, die normalerweise um 21 Uhr Feierabend macht, “noch ein paar Dinge fertigzumachen hatte”. So war das mit dem Schlüssel auch alles kein Problem und um 2 Uhr fiel ich ins selbst aufgebettete Bett der Jugendherberge Vandrerhejm.

Der erste volle Tag in Lappland bescherte mir dank meiner eigenen Schusseligkeit auch gleich den ersten Ruhetag. Mein gesamtes Elektronik-Equipment ging auf dem Weg hierher verloren. Und auch wenn ich hier gerne einen auf Naturbursch machen möchte, konnte ich so nicht einfach losziehen. Zum Beispiel weil mein Handy-Akku bereits fast leer war, und Powerbank sowie Reserverakkus mit dem E-Sackerl flöten gingen. Ladekabel ist auch furt.

Was soll’s, wenn ich mich jetzt ärgere, ist das Ladekabel trotzdem furt.

Also hieß es, dem Warenangebot von Honningsvag zu vertrauen und den verlorengegangenen Kabelsalat nachzukaufen. Überraschenderweise war das hier in dieser ca. 2500-Einwohner-Stadt kein Riesenproblem – ein kleiner Elektroladen stapelte in seiner 1-Raum-Wohnung ungefähr dieselbe Auswahl wie der Mediamarkt Leipzisch (Oliver, bitte in den Kommentaren verlinken! 🙂

So blieb auch noch etwas Zeit für Kultur. “The Northernmost Life” – ein sehr sympathisches Musiktheaterstück, aufgeführt von mehreren jugendlichen Einheimischen, bildete das Nachmittagsprogramm, und in der örtlichen Kirche können sich auch Agnostiker auf den Besuch am Nordkapp einstimmen.

So, aber heute starte ich dann wirklich endelig in meine Skoleferie!

(Visited 15 times, 1 visits today)
Schlagwörter: , , , Last modified: 17. Juli 2018
Close