Written by 14:23 02 Zentralalpenweg, 06 Mariazellerweg, Österreich, Steiermark, Tourtagebuch, Weitwandern • 3 Comments

Dirty Deeds and the Dung Dirt Cheap

Früher, als sich die Leute am Land bestenfalls einmal im Jahr neue Schuhe leisteten, waren die Halterbuben und -dirndln oft barfuß draußen am Feld. War es ein besonders garstiger, kalter, schircher, windiger Regentag, dann stellten sich die Kinder gerne in einen dampfenden Kuhfladen, um sich die Zehen etwas zu wärmen.

Auch wir Wandersleute kennen das, wenn auch in gänzlich anderem Zusammenhang. Nicht immer zeugt ein weiches Abrollverhalten von der Güte der Schuhsohle …. wenn man nicht aufpasst, kann es ganz schnell sein, dass man selber der Halterbua ist.

Womit wir auch mitten in der Geschichte wären. Es ist gerade 9 Uhr morgens, und ich sitze mit meinem 650 Gramm schweren mobilen Büro gerade am höchsten Rastbankerl des Steirischen Almenlandes. Hier auf der größten zusammenhängenden Rinderweide des Landes lässt sich’s an einem Tag wie heute besonders gut aushalten. Diesmal bin ich auf einer Strecke unterwegs, die auch – lang ist’s her – in den Wochenendtouren Österreich Süd Einzug gehalten hat.

Zweieinhalb Gehstunden habe ich heut’ schon in den Beinen. Die letzte Nacht habe ich in einer Pilgerherberge verbracht, da ein Stück meiner selbstgestrickten Route die Mariazeller Wallfahrtsautobahn berührt. Schon kurz vor 6 Uhr morgens erschien ich im Frühstückssaal – nicht ohne Stolz, so früh schon unter den Lebenden zu weilen. Doch von der (bereits vollständig anwesenden, putzmunteren) Pilgerschar erntete ich nur Blicke, die sich irgendwo zwischen Mitleid und Nichtbeachtung bewegten. Schnell begriff ich: Wenn Du von den Wallfahrern ernst genommen werden willst, dann hast Du um fünf Uhr morgens bereits in deinen Socken zu stecken und vor Sonnenaufgang das erste Mal freundlich gen Bethlehem zu nicken. Jeder, der es wagt, erst nach halb sechs zum Frühstück zu erscheinen, kriegt den Palmesel-Blick.

Eingedenk dieses sanften gruppendynamischen Druckes auf meinen Schultern blieb mir nichts anderes übrig, als ebenfalls gleich loszustapfen, um nicht sofort standrechtlich exkommuniziert zu werden. Doch auch ohne den heiligen Tritt in den Hintern wäre es mir schwer gefallen, nicht sofort aufzubrechen: Bei traumhaften Bedingungen sah ich bereits bei einem Fenster bis ins Burgenland und im anderen Fenster die noch schneebedeckten Gipfel der Seckauer Tauern (ich kenne übrigens Leute, die mit dieser Angabe allein bereits wissen, wo diese Herberge steht – bin gespannt, ob sich z. B. Unser Mann in Hermagor wiedermal meldet ;-).

Und so bin ich den nachtaktiven Wallfahrern im Nachhinein sehr dankbar und habe ihnen auch bereits verziehen, dass sie am gestrigen Abend bereits um halb acht in Richtung Schlaflager aufgebrochen sind – und mich alleine in der Gaststube sitzen ließen. Da trennten sich nämlich vorübergehend unsere Wege. Um 19:30 ins Bett gehen … muss eine interessante Erfahrung sein.

So, ich mache auch schon wieder Schluss für heute, da der Tag besser und besser wird, und es mich wieder weiterzieht. Ich wünsche Euch am Wochenende gutes Tourenwetter (ich würde bei der aktuellen Prognose übrigens zur auch ganz ohne Buch-Eigenwerbung zu Südösterreich raten) und keine ungewollten Ausrutscher … 🙂

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Last modified: 1. August 2019
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