Alles geht den Bach hinunter: Frühlingstour durchs Obere Drautal

Mittelkärntner Waldeinsamkeit (75 km, 2 1/2 Tage)

23. April 2015 Kommentare (5) Österreich, Tools

KOMPASS DVD „Österreich 3D“ [Tools // Review]

Über ein halbes Jahrzehnt ist es bereits her, dass der Kartenverlag Kompass mit seiner DVD „Österreich 3D“ ein äußerst hilfreiches Werkzeug auf den Markt warf, um sehr einfach Touren planen zu können, die auch einmal über den Kartenrand hinausblicken. Nun tritt ein Nachfolger das schwierige Erbe an.

kompass3d-cover

So sieht es aus, das gute Stück. Wie es der Name bereits vermuten lässt, umfasst die DVD das gesamte Bundesgebiet und bietet die tolle Darstellung, die man von der Papierversion kennt. Somit entfällt die Umschulung auf eine ungewohnte Grafik.

(Hinweis: Ein Klick auf die Grafik öffnet die vergrößerte Ansicht)

Intuitive Geländedarstellung

Intuitive Geländedarstellung

Mitgeliefert wird ein Programm zur Benützung der Digitalkarte. Mit diesem lassen sich beispielsweise maßstabsgetreue Kartenausschnitte erstellen (und ausdrucken). Weiters ist die Einbindung von GPX Daten möglich, sodass beispielsweise aus dem Internet heruntergeladene Touren auf der Karte dargestellt und mit einfachen, selbsterklärenden Bordmitteln abgeändert werden können.

Track- und Wegpunktdarstellung, links die Werkzeugleiste

Track- und Wegpunktdarstellung

Eine Grafik, die auf Wunsch eingeblendet werden kann, stellt die Topologie, also die Höhenunterschiede dar. Selbstredend werden auch die Eckdaten der Tour wie Länge und Gesamtauf-/abstieg ausgespuckt – auf Wunsch auch für Teilabschnitte:

Berechnung der Tourdaten

Berechnung der Tourdaten

Soweit so (sehr) gut.

Nach fünf Jahren eitel Wonne beschloss der Verlag im Vorjahr, der „Österreich 3D“ ein Update zu spendieren. Neue Bauten, Forst- und Wanderwege machen auch bei elektronischen Produkten Neuauflagen notwendig, die sich nicht einfach mit einem Update einspielen lassen. Die lange erwartete DVD erschien rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit, und nach einigen Monaten des Testens lässt sich nun ein erstes Resümee ziehen.

Nach der Installation von Karte und Software zeigte ein Blick auf die Bedienelemente, dass die Software weitestgehend unverändert blieb. Die Kartendarstellung wirkt zunächst sehr gefällig – siehe Beispielgrafiken oben. Gut gewählte Farben machen klassische Landschaftstypen (Wald, Freiflächen, felsiges Terrain, bebaute Gebiete, etc.) sofort intuitiv erkennbar. Dieser Vorteil, den Kompass-Karten gegenüber vielen Konkurrenzprodukten aufweist, ist auch in der Digitalversion unübersehbar. Allerdings versteckt sich hinter dem ersten Eindruck eine Änderung, die für anhaltendes Kopfkratzen sorgt: Sobald man die Kartendarstellung verkleinert (also „rauszoomt“), verschwinden bei allen Wanderwegen die Beschriftungen (bzw. Wegnummern), sodass nur mehr rote Striche übrigbleiben.

Am besten zeigt sich das im direkten Vergleich. Ein Ausschnitt im gängigen Maßstab 1:25000 wurde bisher so dargestellt – Wanderwege (Symbol), Themenwege (oranger Text) und Einkehrmöglichkeiten sind klar erkennbar (per Klick vergrößern):

Version 2009 - Maßstab 1:25 000

Version 2009 – Maßstab 1:25 000

Nun allerdings sieht die Sache so aus – Wanderwege sind zwar noch als solche erkennbar, wie sie heißen, bleibt uns allerdings nun verborgen:

Version 2014 - Maßstab 1:25 000

Version 2014 – Maßstab 1:25 000

… womit sich für Wanderer das Problem ergibt, dass sich ein Regional(rundwander-)weg nicht mehr von der Hauptroute unterscheiden lässt. Auch Einkehrmöglichkeiten und andere Sehenswürdigkeiten verlieren bereits auf der zweiten Zoomstufe ihre Namen. So lässt sich eine Tagestour natürlich schwer(er) planen, ist man bei dieser Auflösung ja in gut 3 Stunden bereits durchs ganze Bild marschiert.

Doch damit nicht genug: Verringert man die Darstellung um eine weitere Stufe, verschwinden die Wanderwege komplett aus der Karte …! Nach zwei Klicks sitzt man also nun vor einer Art „Google Maps“ mit Höhenschichtlinien, in der nur mehr die Namen größerer Orte dargestellt werden.

Hier wieder der Vergleich – so sah es bislang aus. Weitwanderwege sind nun zwar schwerer erkennbar, doch immerhin noch anhand der Piktogramme von lokalen Wegen unterscheidbar:

Version 2009 - Maßstab 1: 50 000

Version 2009 – Maßstab 1: 50 000

Doch Wanderwege gibt es in der neuen Version der Wanderkarte gleich gar nicht mehr. Was eingedenk der Tatsache, dass 1:50000 das meistverkaufte Format der KOMPASS-Papierkarten ist, umso unbegreiflicher ist:

Version 2014 - Auflösung 1:50 000

Version 2014 – Auflösung 1:50 000

Die Kartengröße deckt in diesem Maßstab eine typische Tages-Streckenwanderung ab (knapp 20 km vom linken zum rechten Bildrand) – also keine ungewöhnliche Einstellung bei der Tourenplanung. Auf Rückfrage beim Verlag war freundlich, jedoch nicht minder unnachvollziehbar zu erfahren, dass man mit diesem Schritt anstrebte, „nur lesbare Informationen darzustellen“. Es gäbe aufgrund programmiertechnischer Gründe auch keine Möglichkeit, dazu eine eigene Konfiguration vorzunehmen, ergänzte der Verlag. Bleibt die Frage offen: Woher weiß denn die Karte, wie groß mein Bildschirm bzw. wie groß die von mir lokal eingestellte Auflösung ist?

Da ist es dann auch schon egal, dass die Darstellung der Karte nicht mehr so glasklar ist wie am Anfangsbildschirm. Ortsnamen lassen sich nun nicht mehr so gut lesen, sie wirken etwas verzerrt. So wäre es bei der letzten Grafik oben schon ganz gut, wenn man vor der Tourenplanung schon einmal in Maria Neustift war – ansonsten bleiben die Flurnahmen rund ums Ortszentrum ein Geheimnis.

Diese Probleme beim Kartenzoom sind leider nicht nur in der Bildschirmdarstellung zu sehen, sondern auch beim Druck. Selbst bei einer typischen Blattschnittgröße von sagen wir 1:50.000 kommt es zu Darstellungsproblemen (getestet mit Tintenstrahl- und Lasergerät sowie unterschiedlichen Endgeräten).

Was gibt’s sonst noch zu vermelden?

Ein Hilfsmittel, das es leider nicht in die Neuauflage geschafft hat, ist für eine der folgenden Versionen geplant: Suchergebnisse, die derzeit ohne Reihung ausgegeben werden, werden künftig nach Entfernung vom Kartenmittelpunkt sortiert. Gibt man also beispielsweise als Suchbegriff „Kirchenwirt“ ein, so wird künftig nicht mehr eine unsortierte Liste aller österreichischen Kirchenwirte zurückgegeben, sondern eine Liste, in der der Kirchenwirt um’s Eck ganz oben steht. Allerdings ist das wie gesagt derzeit noch Zukunftsmusik, derzeit sieht die Sache noch so aus:

Welcher ist nun schnell der Kirchenwirt in Gehdistanz?

Welcher ist nun schnell der Kirchenwirt in Gehdistanz?

Dasselbe gilt leider nach wie vor für alle mit einem Piktogramm versehenenen Wanderwege. So lässt sich nach Wegen, die irgendwo in der Karte verzeichnet sind, in vielen Fällen nicht suchen. Am Beispiel des Kuenringerweges, der in der Legende mit der Nummer 611 zu finden ist:

Rechts gelistet - der Kuenringerweg 611

Rechts gelistet – der Kuenringerweg 611

… bleibt offen, wo in Österreich sich dieser Weg befindet (auch die Suche nach Wanderwegnummern ist leider – noch – nicht möglich):

Leider weg: Die Kuenringer

Leider weg: Die Kuenringer

Bei der Suche nach Orten sollte man nicht nach dem ersten Fehlschlag aufgeben, wenn man sich sicher ist, dass es einen Ort gibt. Sucht man beispielsweise nach „Keutschacher See“, wird man nicht fündig. Der Name wurde in der Datenbank zweigeteilt . man hat also mehr Glück, wenn man es nur mit „Keutschacher“ oder – bei unendlich vielen Resultaten – nur mit „See“ probiert.

Kein See in Sicht

Kein See in Sicht

Hingegen:

Ah, da isser ja!

Ein sehr cooles Feature ist das im Titel bereits erwähnte „3D“ Tool. So kann man sich beispielsweise seine geplante Route im „Flug“ ansehen – und nicht nur einmal war ich von der tollen Darstellung der Landschaftstopologie überrascht. Allerdings erfordert die Steuerung des Fluges etwas an Übung – aber das ist nun mal beim Fliegen so.

Darstellung der Landschaftstopologie

Darstellung der Landschaftstopologie

Das Gegenteil von Gut ist ‚Gut gemeint‘

Das ändert jedoch leider nichts daran, dass die Hauptfunktion einer digitalen Wanderkarte – nämlich die Darstellung von Wanderwegen – in dieser Weise nur eingeschränkt brauchbar ist. Als Nutzer, der die Karte beinahe täglich verwendet, bleibt nach der großen Freude über die Ankündigung einer Neuauflage der Eindruck, dass hier ein sehr gutes Produkt „zu Tode weiterentwickelt“ wurde (was mich dazu zwingt, bis zu einem Update mit der alten Version weiterzuarbeiten).

2014, Digitale Wander-, Rad- und Skitourenkarte, GPS-genau;
ISBN 978-3-85491-629-1, Verlags-Nr. 4309, € 89,95. (zum Verlagslink)

Kartenausschnitte (c) www.kompass.at, m. freundlicher Genehmigung

5 Responses to KOMPASS DVD „Österreich 3D“ [Tools // Review]

  1. Martin sagt:

    Danke für die Erklärung der Funktionsfähigkeit, oder auch Funktionsunfähigkeit, der neuen Kompass-Karte.
    Zu deinem Ausschnitt 1:25.000 und 1:50.000: Ich bin gerade etwas verwundert, dein Screenshot sagt zwar 1:25.000, doch sieht das Kartenbild anders als bei meinem Ausschnitt 1:25.000 aus. Wenn ich auf „Ansicht“ gehe, „Maßstab eingeben“ klicke und den Maßstab „25000“ eingebe, werden bei mir die Wegmarkierungen und -symbole sowie Bezeichnungen von Gaststätten angezeigt. Detto sehe ich bei manueller Eingabe von „50000“ die Wanderwege.
    Was hier nicht erwähnt wurde, jedoch für eine digitale Wanderkarte auch nicht unwesentlich ist, ist die Aktualität. Wenn schon angepriesen wird, dass es eine neue Karte ist, erwartet man sich ja schon, dass auch die Kartengrundlage aktualisiert wurde. Hier muss ich sagen: Jein. Klar, manche Wander- und Radwege kamen dazu, manche Strecken wurden sogar korrigiert, aber topographisch kommt es mir fast so vor, als wenn die 2010er Version herangezogen wurde. Beispiele: Die neue Kompass-DVD hat noch nichts von der Seestadt Aspern gehört sondern schwört auf das Flugfeld – obwohl seit 2009 dort gebaut wird. Eine Brücke über den Donaukanal fehlt – eröffnet 2011. Umfahrung Mistelbach ist noch gar kein Thema – seit Sommer 2013 in Bau (verändert z.B. die Wegführung des Weinviertelweges 632). Auch noch nichts gehört hat man von der Mühlviertler Schnellstraße S10 – seit 2009 wird gebaut, 2012 erstes Teilstück eröffnet, 2014 die Umfahrung Freistadt freigegeben. Und der rundumadum-Weg (eröffnet 2005) von Wien ist der digitalen Karte auch gänzlich unbekannt…
    Also ich bin für meine Begriffe ziemlich enttäuscht von der „neuen“ digitalen Karte. Viele Monate wurde der Erscheinungstermin immer wieder verschoben, genutzt hat das im Grunde wohl auch nichts.

  2. hans sagt:

    Ich habe die Screenshots genauso wie Du angefertigt, also auch durch die Eingabe des gewünschten Maßstabes. Kann ich einmal einen Screenshot von Deiner 1:25 000er Einstellung sehen? Idealerweise auch von Maria Neustift zwecks direkter Vergleichbarkeit?

  3. beigl sagt:

    Die Online-Karte von Kompass hat übrigens die selbe unangenehme Zoom-Eigenheit.

  4. hans sagt:

    Die Datenbasis wird vermutlich diesselbe sein. So wie ich die Ausführungen der Fa. Kompass verstanden habe, sind die Informationen in den jeweiligen Zoomtufen hinterlegt.

    Aja, ich habe meine Auflösung mit der von Martin verglichen: Bei gleicher Auflösung haben wir die gleiche Darstellung. Wir haben beide manuell denselben Maßstab eingegeben, allerdings ist die prozentuelle Darstellung unterschiedlich. In anderen Worten: Was bei mir 1:25000 ist, ist ein anderer Bildausschnitt als bei Martins 1:25000-Darstellung. Wenn wir beide die gleiche prozentuelle Verkleinerung wählen, haben wir auch beide eine Wegebeschriftung – oder eben nicht.

  5. Markus sagt:

    Vielen Dank für den ausführlichen Test.
    Ich habe selbst die Version 2012 der Österreich 3D. Und diese zeigt bei allen Zoomstufen alle Details an.
    Ich hab mit den Gedanken gespielt, mir die 2014er zuzulegen. Nachdem aber je nach Zoomstufe Details verloren gehen (Wie auch in der Onlineversion) werde ich vorerst wohl bei der alten Version bleiben.

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