Auf die Kaserhöhe (2318 m, Nockberge)

Weitwanderweg 05 (Nord-Süd-Weg) – Teil III

10. Februar 2016 Kommentare (1) 05 Nord-Süd-Weg, Österreich, Steiermark, Weitwandern

Weitwanderweg 05 (Nord-Süd-Weg) – Teil I & II

Vergangenes Wochenende haben Astrid & moi die Gesamtbegehung des Nord-Süd-Weges abgeschlossen. Um dieses Ereignis in all seiner Tragweite erfassen zu können, ist eine Reise in die Vergangenheit unabdingbar.

Begonnen hat alles 2011, im Spätherbst, um genau zu sein. Wir beide hatten soeben erfolgreich unsere erste Sommersaison als Hüttenwirte geschlagen. Da wir gerade monatelang anderen Leuten beim Wandern zugesehen hatten, verlangte das Seelenheil nach eigenen Outdoor-Aktivitäten. Womit sich die Frage stellte: Was kann man denn Ende Oktober in Österreich noch besonders Großartiges anstellen? Immerhin ist um diese Jahreszeit täglich mit Neuschnee zu rechnen. Und das ist blöd beim Weitwandern. Denn andere Hüttenwirte machen es auch nicht anders wie wir: Wenn keiner mehr kommt, fahren sie für ein halbes Jahr nachhause.

Auf Österreichs Weitwanderkarte ist nur ein Weg ganzjährig begehbar. Der Ostösterreichische Grenzlandweg bewegt sich, wie es der Name schon vermuten lässt, meist auf der Seehöhe von Marchfelder Erdäpfelschollen. Zwischen Retz und Hainburg hat man daher bei einem plötzlichen Wetterumschwung ganz gute Überlebenschancen. Im Burgenland teilt sich der „07er“ in eine Flachland- und eine alpine Variante – wer hier an der Staatsgrenze bleibt, wird auch südlich der Donau nie mehr hoch hinaus müssen. Die größte alpinistische Herausforderung bleiben die Leiser Berge. Mit Gipfeln, die maximal 500 Meter in den Himmel ragen.

Dann gibt es noch den Voralpenweg 04, den man als Drei-Saisonen-Weg bezeichnen könnte. Da ich meine Salzburg-Sopron-Tour ursprünglich als Winterweitwanderung geplant hatte, weiß ich recht genau, was einem da in der vierten Saison erwartet. Kurz gesagt, ja, es ginge auch im Winter, aber es ist mühsam.

Doch diese beiden Optionen waren für uns ohnehin mäßig reizvoll, da wir sie gerade ein Jahr vorher bereits als ThruHikes begangen haben. Also musste etwas Neues her. Letztendlich entschieden wir uns für ebendiesen „05er“, um den es hier geht. Auch auf seiner Wegführung war mit Einschränkungen zu rechnen, doch wurscht, let’s cross the bridge when we reach it.

In Anbetracht der fortgeschrittenen Jahreszeit beschlossen wir, der Strecke northbound zu Leibe zu rücken, um die Lavanttaler Alpen baldmöglichst hinter uns zu bringen. Der Abschnitt oberhalb der Donau geht sowieso allerweil, so unsere Überlegung. Zur Sicherheit stellten wir dennoch das  Auto nach Leoben. Um reagieren zu können, sollte uns die Tour durchs Hochschwabgebiet verwehrt bleiben.

Mit Bahn und Bus ging es von dort zum unteren  Ende des Weges. Obligatorisch in Eibiswald: Das Startfoto beim Weitwandererdenkmal:

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Am Anreise-Nachmittag hatten wir ursprünglich vorgehabt, noch in Eibiswald zu bleiben, um am nächsten Tag ausgeruht ins Abenteuer zu starten. Doch bereits VOR unserer Tour gab’s das erste Quartierproblem – im ganzen Ort hatte kein Gasthof geöffnet, sodass wir noch am Nachmittag nach St. Oswald aufstiegen, wo wir eine Nacht „Urlaub am Bauernhof“ machen konnten.

Am nächsten Tag dann herrliches Herbstwetter und freie Sicht bis nach … äh … also bis da rüber halt 🙂

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Wahrscheinlich ist das eh der Koralpenzug, dem wir uns über seine Ostflanke nähern. Zur Erinnerung, diese Bilder sind 5 Jahre alt – ich war inzwischen vier weitere Male im Herbst dort, doch nie mehr bekam ich auf der Schwanberger Alm auch nur einen einzigen Sonnenstrahl ab. Damit hat dieses Bild absoluten Seltenheitswert:

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Das Wetter hielt, und wir fühlten uns am Weg zu den Glitzfelsen so lebendiger wie nie zuvor.

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Neben „hierhin“ konnte man damals vom Koralpenspeik auch „dorthin“ schauen …

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… und vor lauter Schauen gelang es uns gleich am ersten Tag, unsere Sendezeit zu überziehen. Wir haben den ersten Tourentag bis zur Weinebene verlängert, wo natürlich auch schon alles im Winterschlaf war. Aber das war kein Problem, dank des Wanderführers der Sektion Weitwanderer wussten wir, dass ein Wirt in Glashütten so nett ist, gestrandete Wanderer vom Berg zu holen. Das Angebot nahmen wir eingedenk der vorgerückten Stunde gerne an.

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Am nächsten Tag ging’s am Nord-Süd-Weg, dem Lavanttaler Höhenweg, dem Kärntner Grenzweg, dem Koralm-Kristall-Trail, der Via Alpina, dem Weststeirischen Mariazellerweg, dem Steirischen Landesrundwanderweg, und nicht zuletzt dem Europäischen Fernwanderweg 06 weiter nach Norden. Wer ein wenig angeben will, braucht also nur auf die Weinebene raufzufahren, und von der Gösler Hütte die 100 Meter zur Pauluskapelle zu spazieren. In einem Tourenbericht ließe sich das dann in etwa so verwerten: „Habe den Samstag Nachmittag dazu genutzt, abschnittsweise 8 Weitwanderwege zu begehen.

Für uns ging’s linksrechts vorbei an den „Öfen“ der Lavantaler Alpen. Im Paläozoikum wurde hier ein Mammut von einem Blitz beim … getroffen.

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Über die Handalm …

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… ging’s weiter zur Hebalm. Alles bei bestem Wetter … doch das sollte sich ändern …

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Nach einer geruhsamen Nacht auf der Pack bot sich uns am nächsten Morgen nämlich folgender Ausblick:

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Einen Anruf beim Salzstiegelhaus später war klar: Heute müssen wir improvisieren, auf den Packer Almen liegt ein halber Meter patziger Neuschnee. Also wichen auf den Winterweg aus und pilgerten über Hirschegg direkt aufs Gaberl zu. Vor herabfallenden Schneebatzen schützte mein fescher Weitwanderhut:

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Auch im Gaberlhaus waren wir – wie überall bisher – die einzigen Gäste. Super, dass wir überhaupt bleiben durften, und etwas Feines zum Essen bekamen.

Tags drauf ging’s über das Sattelhaus zur Gleinalm. Ohne Schneeschuhe, denn die liegen g’scheiderweis in Leoben („Vorm Hochschwab brauchen wir die eh sicher nicht!“). Also stapften wir frohen Mutes zum Sattelhaus. Vom Zentralalpenweg war bekannt, dass wir beim Stierkreuz ein Bankerl finden – hat allerdings ein bisserl gedauert, bis wir beim Stierkreuz das Bankerl gefunden haben.

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Weiter ging’s über die Terenbach- und Rossbachalm auf die Gleinalm zu …

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… wo wir uns mit Gert verabredet hatten, der uns spontan über Wochenende begleitete. Da es dazu bereits einen Tourenbericht gibt, überspringe ich die Übernachtung im Winterraum. Der Vollständigkeit halber drei Bilder …

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… von unserer abwechslungsreichen, jedoch im Winter wirklich seeehr langen …

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… schneeschuhlosen Höhentour über die Gleinalm nach Leoben. Den abschließenden Besuch im Mugel-Schutzhaus mussten wir auslassen – zuviel Schnee verhinderte ein ausreichend schnelles Vorankommen:

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In Leoben war dann auch Schluss mit NoBo. An ein Weitergehen auf den Reichenstein war nicht zu denken, also warfen wir den Gert in den Zug und uns ins Waldviertel, um die Sache vom nördlichen Ende des „05ers“ in Angriff zu nehmen. Wenn wir von dort aus auf den Hochschwab zuwandern, brauchen wir dafür wohl um die 10 Tage – und in dieser Zeit kann sich viel tun, unerwarteter Sommereinbruch am Hochschwab zum Beispiel.

Der Nebelstein, unser Startpunkt, machte seinem Namen wiedermal alle Ehre. Auch er ist ein gutes Platzerl für Weitwanderwege-Sammler:

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Nebelstein halt. Passenderweise hatten wir nördlich der Donau typisches Herbstwetter …

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… sodass sich manche Verbote ohne großes Zaudern befolgen ließen.

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Vorbei an einer relativ kleinen Widerstandszelle …

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… durchwanderten wir mit der gebotenen Ernsthaftigkeit das rauhe Waldviertel.

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DA waren wir auch …

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… kamen an diesem Notenblatt vorbei …

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… und erreichten planmäßig nach vier Tagen die Donau.

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Am „1000-Eimer-Berg“ verabschiedeten wir uns vom trüb-regnerischen Herbstwetter. Und von Wall-E.WWW05 - Nordsuedweg-26 (Large)

Mit einer kleinen Fähre ging’s über den Bach, und tatsächlich sah es auf der anderen Seite so aus, als hätten wir den Nebel auf der Nordseite abgeschüttelt:

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Beeindruckend die Ruine Aggstein, die uns mehrere Stunden beschäftigte …

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… bevor es nach Melk zur lange ersehnten Pizza und weiter Richtung Ötscher ging. Mariazell war unser Ziel für diesen Herbst, alles andere erschien bei Schnee nicht mehr erstrebenswert. Doch unser ständiger Begleiter, die Quartiernot, machte uns einen Strich durch die Rechnung: Bis Scheibbs kamen wir noch, doch rund um den Ötscher war alles und jeder bereits im Betriebsurlaub.

Irgendwo zwischen der Burg Plankenstein und St. Anton/Jesnitz war dann Schluss … X marks the spot.

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Das ganze von oben (mit freundlicher Genehmigung von kompass.de):

05erkompass

13 Tage waren wir unterwegs, für die verbleibenden 8 Etappen sollten nun noch einige Jährchen durch die Lande ziehen. Doch dazu in unserer nächsten Geschichte.

Zu Teil zwei geht’s hier.

One Response to Weitwanderweg 05 (Nord-Süd-Weg) – Teil I & II

  1. K2 sagt:

    Glückwunsch !

    Und vielen Dank für die Teilhabe an den tollen Bildern !

    Grüße aus dem Nordwesten,
    K2.

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