Written by 20:55 08 Eisenwurzenweg, Österreich, Steiermark, Tourtagebuch, Weitwandern, Winter • 12 Comments

Steiermark Nord-Süd mit Schneeschuhen

Durch die Ennstaler, Seckauer und Seetaler Alpen. — 9 Tage, 186 km, rund 8000 hm.

Vorausgeschickt: Die Wegführung folgt von vorn bis hinten dem “Eisenwurzenweg” – einem der 10 österreichischen Weitwanderwege, welcher den nördlichsten Punkt Österreichs mit dem südlichsten verbindet. Ich habe im Jänner damit begonnen (Bericht zur 9-tägigen Waldvierteldurchquerung) und im Februar nach fünf weiteren Etappen die Südgrenze Niederösterreichs erreicht. Dieser Tourenbericht hier behandelt den folgenden steirischen Abschnitt.

Start war diesmal Hollenstein, der letzte Ort auf niederösterreichischer Seite, zwei Stunden von der steirischen Landesgrenze entfernt. Ausgerüstet mit dem Klimaticket war mir recht wurscht, dass ich einmal rund um die Steiermark rumfahren musste, um von Kärnten aus über Wien ins Mostviertel zu kommen.

Nach der ersten Übernachtung in Hollenstein ging es bald nach dem Ortsende in die Berge. Ich kam gut voran, Voralm wegen der lückenlosen Markierung durch die AV Sektion Waidhofen.

Kurz versperrte mir eine Baumstumpfmauer den Weg …

… doch letztendlich war es der Nebel, weshalb ich der 1770 m hohen Stumpfmauer heute meinen Besuch versagte, und auf ca. 1300 m, also da wo man aus dem Wald rauskommt, umdrehte …

… denn wenn es da oben eh nichts zu sehen gibt, kann ich genauso gut über den (für Schneeschuhgeher ohnehin angenehmeren) Frenzsattel gehen, wo ich zwar auch spuren musste, aber wenigstens zu ebener Erd’.

Nach der für die Steiermark nicht ungewöhnlichen Begrüßung (“Damit des glei klar is: Radlfahren kannst Dir hier aufpinseln”) folgt ein weiteres Erlebnis: Der erste Steirer, der mir Richtung Gesäuse entgegengekommen ist, war ein Jäger, der mit Jeep und mächtigem Anhänger so um halbvier Nachmittag einen Hochsitz den Forstweg raufschipperte. Wia er an mir vorbeiknattert, bleibt er stehen, kurbelt das Fenster runter und meint, dass ich “um die Uhrzeit nichts mehr im Wald verloren habe, da das Wild seine Ruhe braucht”.

Wie ich am weiteren Weg merken werde, muss man ungefähr 8 km rauffahren, um diese Empfehlung aussprechen zu können – ein bewundernswertes Engagement!

Weiter talwärts schlussfolgere ich, dass es der Gesäusebauer nicht guat findet, wenn es ihm in den Brunnen hineinregnet …

… was eh passt, es gibt gnuag’ anderes, was ma guat finden kann.

Nach der angenehmen Übernachtung bei der Post in Altenmarkt muss ich auf die Segnungen des Schienenverkehrs zurückgreifen, da ein Weitergang zur Ennstaler Hütte nach dem Neuschnee in den Bergen ein Bledsinn gewesen wäre. Ich fahre also um den Berg herum und versuche, die Ennstaler Hütte von Süden zu erreichen …

… was mir aber auf knapp 1300 m ebenfalls versagt blieb …

… da die Kombination aus Harsch und Neuschneedecke verhinderte, dass ich mit den Zacken der Schneeschuhe bei Querungen Halt fand. Im Gesäuse wären Skier besser gewesen, so das Resümee (aber nach Kärnten tragen hätte ich sie wiederum auch nicht wollen, also passen die Schneeschuhe schon im Nachhinein betrachtet).

Der Nachmittag im Gstatterboden war gemütlich …

… ebenso die “Talwanderung” am nächsten Tag von dort nach Johnsbach, wo der Aufstieg zur Mödlinger Hütte beginnt. Das war ein sehr schöner Aufstieg …

… außer dass arschkalt war.

Wie schon auf der Kroissenalm haben die Wirtsleut’ auf der Mödlingerhütte im offenen Winterverschlag einen SB-Getränkeschrank aufgestellt – finde ich großartig!

Das Essen kam natürlich aus dem Rucksack und blieb spartanisch, wiewohl der “Serviervorschlag” am Deckel, also die ganze Fett’n vorm Essen vom Plastikbecher in ein Glas umzufüllen, äußerst verführerisch klang und letztendlich nur am Fehlen eines Glases scheiterte.

Weiter ging es aus Quartiergründen Richtung Gaishorn und im Tal hinüber nach Trieben …

… von wo es am nächsten Tag der alten Pass-Straße entlang ins Triebental zur immer sympathischen Bergerhube ging. Zum inzwischen vierten Mal nächtige ich dort im Zuge einer Weitwanderung – diesmal allerdings zum ersten Mal im Winter.

Nach dem Frühstück ging es hinauf zum Kettentörl, wo der Eisenwurzenweg den Zentralalpenkamm quert.

Oben angelangt sehe ich mein nächstes Zwischenziel, den Ingeringsee (der weiße funzikleine Punkt in der Mitte unter der Wolke).

Südlich des Törls erwarteten mich hervorragende Bedingungen für mein Vorankommen mit Schneeschuhen. Von hier aus sind es sogar im Sommer knapp 6 Stunden bis in die Gaal, weshalb das für mich eine Riesenerleichterung war – zu wissen, dass ich halbwegs “normal” vorankomme. Das wird in ein paar Tagen nochmal anders sein …

Nach der Übernachtung in Ingering II ging es über die Fohnsdorfer Hütte …

… hinunter ins Aichfeld zur nächsten Übernachtung in Judenburg.

Vom Aichfeld sieht man natürlich schon ganz gut hinauf auf den höchsten Punkt meiner Tour. Wobei dem aufmerksamen Beobachter natürlich nicht entgehen wird, dass es sich beim weißen Gipfel nicht um den Zirbitz, sondern um den Größtenberg handelt.

Wiederum aus Quartiergründen endete der nächste Tag auf der Winterleiten – ich hatte also den ganzen Tag Zeit für eine verhältnismäßig kurze Tour, weshalb ich den Vormittag noch für eine Stadtbesichtigung in Judenburg nutzte, bevor ich die 1200 Höhenmeter anging.

Auf der Winterleitenhütte richteten mir die Wirtsleute ein perfektes Thermofrühstück zusammen, sodass ich …

… bei Sonnenaufgang schon unterwegs sein konnte. Ich hatte ja keine Ahnung, wie gut ich auf den 28 km zum Klippitztörl vorankomme, und stellte mich lieber gleich von vornherein auf einen langen Tag ein.

Der Kogel war um ca. 9 Uhr erreicht, es gab Tee und Manner im Winterraum …

Der Schnee ist einigermaßen fair zu mir, es ist zwar etwas harschig stellenweise, doch ich komme ganz passabel voran und bleibe im Zeitplan.

Irgendwann am frühen Nachmittag ist das Hauptziel erreicht: Die Steiermark ist “gegessen”, nach etlichen Sommerdurchquerungen in alle Richtungen nun auch einmal im Winter! Freude! Mannerschnitte!

Bei der St. Martiner Hütte werde ich erstmals auf dieser Tour einer anderen Person gewahr. Eine Dame schleicht um die Hütte, ihre Begleitung sitzt auf dem Sonnenbankl. Ich nehme auf der Westseite Platz und höre sie wenige Minuten später schimpfen, dass “ausgerechnet jetzt, wo sie so dringend piesln … plötzlicher Volksauflauf … darf doch nicht wahr sein …” …. nun, alles habe ich nicht verstanden, aber ich konnte sinngemäß erfassen, was genau ihren Unmut erregte.

Ich hatte diese Sorgen eigentlich nie.

Je weiter ich mich dem Klippitztörl näherte, desto mehr gab es Schnee gen Boden zu stapfen. Ich kam zunehmend langsamer voran, und aus dem ehemals gut gefüllten Zeitbudget wurde gegend Abend hin dann doch noch eine Punktlandung zu Dämmerungsbeginn.

Tags darauf der letzte Tag auf den Seetaler Alpen – ich starte wieder mit voll nettem Thermofrühstück in den Tag und bin bei Sonnenaufgang schon en route.

Heute werde ich die Schneeschuhe nicht brauchen, aber es ist bis Mittag SUPERarschkalt.

Rückblick auf den Zirbitz – das Programm von gestern …

… wird abgelöst vom Programm von heute … immer dem “aper” nach geht es über die gesamte Saualpe.

Dazwischen gibt es viel Flanieren auf den Carinthian Highlands …

… und irgendwann war auch die größte Sau erreicht …

Wie Freund Andi gemeint hat: Vom 2079 m hohen Ladinger Spitz bis Diex – Wort mit drei “i” ist: weiiit! Aber auch das war irgendwann geschafft und die Wirtsleut vom Messnerwirt brachten mir Myrrhe und Weihrauch in Massen, sodass ich meine Steiermark-Durchquerung – nun schon deutlich im Kärntnerland – gebührend feiern konnte.

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Schlagwörter: , Last modified: 21. März 2022
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