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[Tag 075 – 080] Gran Paradiso!

Die letzten Tage standen im Zeichen jenes Nationalparks, der sich in gepflegtem südländischen Understatement “Gran Paradiso” nennt. 

Mein letzter Bericht brachte mich schon sehr nahe an das Aosta-Tal. Durch diese Furche zieht die Autobahn, die Genf durch den Mont Blanc Tunnel mit Turin verbindet.

Mein Weitwanderweg, die GTA, bleibt auch hier den Eselwegen treu und so trommelt diese Halsschlagader des europäischen Fernverkehrs einen oben kaum hörbaren Puls.

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Mein Weg gleicht hier auf 300 m Seehöhe einem Managertraining: “Orientiere Dich an den ‘low hanging fruits’, um vorwärts zu kommen!”

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Mailand, Genf, Turin, Lyon… hier liegt ausnahmsweise alles höher als mein Standort. Abgesehen von Start- und Endpunkt der Alpentraverse lag nur der Lago Maggiore niedriger.

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Kulinarisch gehen im Piemont ebenfalls die Schleusen auf. Man kocht hier (a) gern, (b) saugut und (c) enorm viel. Man isst auf langen Tischen in Gesellschaft – und die Wirtin hört erst auf, riesige Schüsseln mit Delikatessen auf dem Tisch zu verteilen, wenn auch der letzte Gast seine bedingungslose Kapitulation verkündet.

Und Wein geht sowieso aufs Haus. Überhaupt kriegt jeder genug zu trinken, egal was. Nur als Beispiel – das kommt, wenn man hierzulande einen Caffè con Grappa bestellt:

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Neue Themen bestimmen das Tischgespräch…

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… und neben dem Schlangengebiet scheint man hier auch in dediziertes Mariengebiet vorzudringen.

Hier beispielsweise wird Maria angerufen, einer jeden Seele bei der sicheren Querung des Gebirgsbaches zur Seite zu stehen.20160829_142119_HDR-1024x576

Die zur Sicherheit zusätzlich errichtete, etwa 20 Tonnen schweren Betonbrücke erfüllt ihren Job übrigens durchaus gottgefällig.

Wie auch diese Brücke, die in Fondo zu meinem bisher spannendsten Quartier führt: Eine Nacht lang gehört mir ein ehemaliges Albergo ganz alleine.

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Ein Tempomacher begleitet mich seit einigen Tagen beim Aufstieg zum jeweiligen Pass des Tages. Feuchte Luftmassen, die von der Po-Ebene heraufziehen, stehlen einem ab ca Mittag die  Sicht. Hier hilft nur frühes Aufstehen und die Flucht nach vorne.

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Feuchte Luft bedeutet bedauerlicherweise auch feuchtes Gras. So sehr ich meine Merino-Volleder-Kombi liebe: Bei nassem Gras is sie … nun ja, nicht so toll 😉

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Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche gewährt man mir am folgenden Abend neben einer  Wallfahrtskirche einen Platz für die Nacht.

Mt. 7,7 gewährt mir Zugang zur Klosterküche, wo wir (seit heute drei Österreicher) von Signora Valentina stellvertretend für Matthäus ganz herzlich aufgenommen wurden (sinngemäß “Klopfet an, und Ihr dürft reinkommen.”)

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Die Zimmer sind zweckmäßig und picobello sauber.

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… und der Fensterblick entspricht der Szenerie.

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Am nächsten Tag stoße ich ins Herz des Nationalparks Gran Paradiso vor. Irgendwie amüsiert es mich inzwischen, wenn ausgerechnet dann, wenn ich den Apparat aus der Tasche hole, mein Fotomotiv unter einer Wolke verschwindet 🙂

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Viele in den letzten Jahrzehnten verlassene Dörfer erzählen eine Geschichte, in der Wörter wie ‘Landflucht’, ‘unglückliches Erbrecht’ oder ‘Turiner Landwirtschaftsindustrie’ vorkommen.

Übrig bleiben viele Steine.

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Aber hey, Brombeeren!

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Übrigens: Fast immer gehört das “große Paradies” mir ganz allein. Hier in diesem verlassenen Tal werde ich allerdings gleich eine sympathische Einheimische treffen, die mir von früher erzählt. Und von der Zeit, als ihr Großvater im Jahre 1952 die Kapelle links im Bild errichtet hat.

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Ja und dann hab ich da noch ein Bild, das überhaupt nicht dazupasst.

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Nur halt dass Ihr wisst, was auf Euch zukommt, wenn Ihr jemals auf die Idee kommen solltet, hierzulande einen Salat mit Büffelmozzarella zu bestellen.

Mahlzeit!

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Schlagwörter: Last modified: 11. September 2016
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