Written by 19:36 04 Voralpenweg, Österreich, Niederösterreich, Weitwandern • 13 Comments

Zeit für einen Zwischenbericht

Nun denn, nach neun Tagesetappen sowie fast exakt 200 Marschkilometern hat Grete heute mit 3 Sekunden Vorsprung als Erste oberösterreichischen Boden betreten – Zeit für eine ganz ganz kurze Zwischenbilanz in Stichworten – denn gleich gibt’s Essen!

Quartiere

Die tägliche Frage nach der nächsten Übernachtungsmöglichkeit stellt sich meistens schon mittags. Man möchte ja glauben, dass es mitten in Niederösterreich keine große Hexerei sein kann, zu einem Schlafplatz zu kommen. Das ist auch so – doch verhält sich die Toleranz für Planänderungen umgekehrt proportional zur bereits zurückgelegten Kilometeranzahl. Wer jemals 9-10 Stunden am Stück unterwegs war, und dann im Zielort erfährt, dass der letzte Gasthof im Zuge der großen Mückenplage von 1983 seine Pforten schloss, lässt nach der Auskunft “aber 8 Kilometer weiter gibt’s eh den nächsten Wirt’n” den Tränen freien Lauf.

Jedoch, wie überall – mit guter Planung gibt’s kein Wehklagen. Daher wird nun halt bereits mittags das Quartier ausgesucht, auch wenn die Flexibilität darunter leidet (die es Dank der überschaubaren Auswahl ohnehin nicht gibt). Es gibt nun keine bösen Überraschungen mehr. Im Gegenteil: Sobald wir unser Säckel mit den Glasperlen hervorholen, werden wir überall mit Büffelherden und weitläufigen Ländereien beschenkt.

Proviant

Unser Tageskalorienverbrauch liegt bei 5.000 bzw. 7.000 Kalorien. Die Energiespeicher müssen also jeden Tag aufs Neue aufgefüllt werden. Dementsprechend groß ist die Freude der Wirtsmänner am Weg, wenn wir am Abend damit beginnen, unsere Wünsche von der Speisekarte vorzulesen. Pieter der Ältere hätte mit der Szenerie sicherlich seine Freude gehabt.

Am Ende gibt es glückliche Kellner und eine völlig erschöpfte Küchenbrigade.

Wandermarkierungen

Hier hat Grete durch stetes Üben eine Technik verfeinert, die uns bislang immer noch zielsicher zum nächsten Ort gebracht hat. Steht sie an einer Weggabelung, und der weitere Verlauf ist mangels ordentlicher Kennzeichnung unklar, schimpft Grete die nächste Markierung herbei. Wurde ordentlich über sagen wir 20 Meter geraunzt, is die nächste Markierung immer noch umgehend aufgetaucht. Faszinierend!

Pünktliches Weggehen

Disziplin, Disziplin, Disziplin. Nur so lässt sich das Tagesziel bei Tageslicht erreichen und es bleibt genügend Zeit für etwaige “Verhauer”. So haben wir es gelernt, und GENAU SO machen wir es auch.

Bledsinn. Bis jetzt sind wir noch jeden Tag eine Stunde später aus dem Quartier rausgekommen, als am Vortag unter Eid vereinbart. Entweder gab es beim Frühstück eine Reminiszenz an die jesuschristliche “Speisung der Fünftausend”, oder es gab am Vorabend – wie auf einem Bauernhof nahe Kirchdorf an der Pielach – eine umfangreiche Privatverkostung an Selbstgebrannten unter Beteiligung unserer Gastgeber.

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So, es ist Zeit fürs Abendessen. Heute wird selber gekocht, und ich muß noch auf den Marktplatz gehen, um Brot und Hühner zu kaufen.

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Last modified: 6. März 2016
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