Am Eisenwurzenweg von Amstetten nach Judenburg

Das “Wien-Salzburg”-Bilderbuch

12. April 2010 Kommentare (13) 04 Voralpenweg, Österreich, Niederösterreich, Weitwandern

Zeit für einen Zwischenbericht

Nun denn, nach neun Tagesetappen sowie fast exakt 200 Marschkilometern hat Grete heute mit 3 Sekunden Vorsprung als Erste oberösterreichischen Boden betreten – Zeit für eine ganz ganz kurze Zwischenbilanz in Stichworten – denn gleich gibt’s Essen!

Quartiere

Die tägliche Frage nach der nächsten Übernachtungsmöglichkeit stellt sich meistens schon mittags. Man möchte ja glauben, dass es mitten in Niederösterreich keine große Hexerei sein kann, zu einem Schlafplatz zu kommen. Das ist auch so – doch verhält sich die Toleranz für Planänderungen umgekehrt proportional zur bereits zurückgelegten Kilometeranzahl. Wer jemals 9-10 Stunden am Stück unterwegs war, und dann im Zielort erfährt, dass der letzte Gasthof im Zuge der großen Mückenplage von 1983 seine Pforten schloss, lässt nach der Auskunft “aber 8 Kilometer weiter gibt’s eh den nächsten Wirt’n” den Tränen freien Lauf.

Jedoch, wie überall – mit guter Planung gibt’s kein Wehklagen. Daher wird nun halt bereits mittags das Quartier ausgesucht, auch wenn die Flexibilität darunter leidet (die es Dank der überschaubaren Auswahl ohnehin nicht gibt). Es gibt nun keine bösen Überraschungen mehr. Im Gegenteil: Sobald wir unser Säckel mit den Glasperlen hervorholen, werden wir überall mit Büffelherden und weitläufigen Ländereien beschenkt.

Proviant

Unser Tageskalorienverbrauch liegt bei 5.000 bzw. 7.000 Kalorien. Die Energiespeicher müssen also jeden Tag aufs Neue aufgefüllt werden. Dementsprechend groß ist die Freude der Wirtsmänner am Weg, wenn wir am Abend damit beginnen, unsere Wünsche von der Speisekarte vorzulesen. Pieter der Ältere hätte mit der Szenerie sicherlich seine Freude gehabt.

Am Ende gibt es glückliche Kellner und eine völlig erschöpfte Küchenbrigade.

Wandermarkierungen

Hier hat Grete durch stetes Üben eine Technik verfeinert, die uns bislang immer noch zielsicher zum nächsten Ort gebracht hat. Steht sie an einer Weggabelung, und der weitere Verlauf ist mangels ordentlicher Kennzeichnung unklar, schimpft Grete die nächste Markierung herbei. Wurde ordentlich über sagen wir 20 Meter geraunzt, is die nächste Markierung immer noch umgehend aufgetaucht. Faszinierend!

Pünktliches Weggehen

Disziplin, Disziplin, Disziplin. Nur so lässt sich das Tagesziel bei Tageslicht erreichen und es bleibt genügend Zeit für etwaige “Verhauer”. So haben wir es gelernt, und GENAU SO machen wir es auch.

Bledsinn. Bis jetzt sind wir noch jeden Tag eine Stunde später aus dem Quartier rausgekommen, als am Vortag unter Eid vereinbart. Entweder gab es beim Frühstück eine Reminiszenz an die jesuschristliche “Speisung der Fünftausend”, oder es gab am Vorabend – wie auf einem Bauernhof nahe Kirchdorf an der Pielach – eine umfangreiche Privatverkostung an Selbstgebrannten unter Beteiligung unserer Gastgeber.

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So, es ist Zeit fürs Abendessen. Heute wird selber gekocht, und ich muß noch auf den Marktplatz gehen, um Brot und Hühner zu kaufen.

13 Responses to Zeit für einen Zwischenbericht

  1. grete sagt:

    Womit, mit Abendessen?!;-)

  2. Heinz sagt:

    Das mit den 200km in 7 Tagesetappen macht mir ein wenig Angst. Ab Donnerstag will ich ca. 140 km in vier Tagesetappen schaffen (Melk-Linz). Darf dann aber in den Zug retour nach Wien fallen und meine müden Glieder von der Zugbegleiterin sanft kneten und streichen lassen.

    Wie schaut’s mit dem Wetter aus? Regenwanderung?

  3. Tsu sagt:

    pfoah, was für a leistung! an die 30km pro tag. und no immer ohne blasen?
    und der regen? mich würd der unheimlich nerven, meine bewunderung is euch sicher (auf Mani bin i amal durch dauerregen, am 4. tag dan w.o. gegeben zweng der bereits wachsenden schwimmhäut zwischn den zechn).
    und jetzt wirds a no bergiger!
    viel glück und viel süaß wünschi euch 🙂

    lg
    tsu

  4. Tsu sagt:

    ned süaß, sondern spaß solls heißen 😉
    tsu

  5. tonator sagt:

    Ich frage mich, wie man/frau 10h im regen wandern kann. Heute war ich 3×10 minuten am moped und bin 3x waschelnass geworden (flache lernkurve).

  6. hans sagt:

    @heinz – boah 35 km/tag, das wird sicher spassig 🙂
    da sind wir dann doch etwas gemütlicher unterwegs … kannst wenigstens mit wenig gepäck gehn? ich führ’ über unsere tageskilometer übrigens genau buch (unter http://www.vergissmi.net/?page_id=504 )
    hab ich das recht in erinnerung, dass du dann damit die strecke wien – linz komplett gangen bist?

    regen … ja, die letzten beiden tage hatten wir schnee _und_ regen, zuvor aber eine woche hochsommer, wir dürfen uns echt nicht beschweren – wozu auch 😉
    um’s mit mark twain zu sagen: “everybody is complaining about the weather, but nobody is gonna do anything about it.”

    @tsu: die schuhe sind immer staubtrocken. ich hab am wochenende offenbar grad zum rechten moment material getauscht, und geh jetzt mit den sehr sehr angenehmen hanwag banks, gepaart mit falke tk2 socken, die ich auch sehr super find.

  7. thedude sagt:

    diese Gürtel von damals gefallen mir, die machen so schön schlank 😉

  8. tsu sagt:

    danke für den hinweis auf hanwag, werd ich mir anschauen.
    falke-socken hawi schon 🙂
    hoffentlich habts heute keinen schnee und nur wenig regen gehabt!
    lg

  9. grete sagt:

    @tonator: am Moped hast ja auch ein bisserl (aber nur ein ganz kleines bisserl 😉 ) mehr Fahrtwind als unsereiner beim Gehen, deshalb wirst auch schneller naß … *tröst*

  10. grete sagt:

    @tsu: es sind nicht generell Falke-Socken, mit denen haben wir im Langzeittest nämlich olfaktorisch nicht gar so a’ Freud’ gehabt, sondern (das hat Hans nämlich nicht dazugeschrieben) die Falke TK2 Merino. Wir haben auch Wollsocken (Mischungen mit überwiegendem Wollanteil) von Rohner und Smartwool und sind generell beide mit den Wollenen sehr zufrieden, sowohl vom Tragekomfort als auch olfaktorisch 😉

    Und nein, heute weder Schnee noch Regen, sondern bewölkt 🙂

  11. Pfeifmirnix sagt:

    Ist es schon bewiesen, daß man per schnellerer Fortbewegung mehr oder weniger naß wird als bei relativ gesehener langsamerer?
    Dann ist da ja noch ein absoluter Grenzwert an maximal zu erreichender Waschelnässe, wie es im Physikerjargon wohl korrekt hieße.

    Und um der Sockendiskussion meinen Senf hinzuzufügen: Ich trag Wollsocken und Turnböcke. Das ist perfekt bis vor zur Straßenbahn.

  12. Christine sagt:

    he, du solltest das in ein buch fassen! denn literarisch schlägt es clemens haipels “sind wir schon da?” um längen!!!

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