Written by 22:18 03 Südalpenweg, Österreich, Kärnten, Tagestour • 2 Comments

Hochweißstein / Monte Peralba, 2694 m

… mit ÜN im Hochweißsteinhaus

Drei Gründe sprachen am vergangenen Montag Mitte Juli dafür, zum Hochweißsteinhaus aufzubrechen:

  • Mein alter Wanderführer aus 1976 schwärmt in höchsten Tönen von dieser Tour
  • In Kärntens Süden ist – wenn schon – in der ersten Hochsommerhälfte üblicherweise erst am Nachmittag mit einer höheren Gewitterwahrscheinlichkeit zu rechnen
  • Begeher des Karnischen Höhenweges starten normalerweise am Wochenende in Sillian – und sind deshalb am Montag noch nicht beim Hochweißsteinhaus. Es gibt also Platz in der meist ausgebuchten Hütte.

Am späten Nachmittag erreiche ich den Parkplatz unter der Frohnalm – das ist ein paar Kilometer südlich von St. Lorenzen im Lesachtal. Von dort geht es zuerst zur Ingridhütte (Bild). Mein alter Wanderführer meint, dass man von hier aus den Hochweißstein sehen könnte – ich denke aber, das ist geflunkert.

In einer Dreiviertelstunde geht’s nun weiter hinauf zum Hochweißsteinhaus, einer Schutzhütte der Alpenvereinssektion Austria mit rund 50 Betten.

Das HWH ist eine der ältesten Bergsteigerstützpunkte der Karnier und mit der Fam. Guggenberger seit vielen Jahrzehnten in sehr guten Händen. Das Abendessen war hervorragend und für eine Hütte in dieser Lage mit unerwartet viel frischem Zeug zubereitet.

Am nächsten Morgen großes Volksgemurmel ab ca. 06:00 – fast alle Hüttengäste sind am Karnischen Höhenweg unterwegs und sind lange Tourentage gewöhnt – egal aus welcher Richtung sie kommen.
Ich bin der einzige, der Richtung Hochalpljoch in den Tag startet – mein Aufstieg wird von dichtem Nebel begleitet, weshalb die Fotos von diesem Abschnitt später beim Abstieg kommen.

Zum knapp 2300 m hohen Hochalpljoch braucht man ca. eine Stunde. Erst dort lässt der Karnische Hauptkamm einen ersten Blick auf den Gipfel springen – der Nebel gibt sich weniger großzügig.

Dass hier ein Weg hinaufführen soll, hält mein Bauchgefühl für ausgeschlossen – aber der Kopf hat ja die Tourenbeschreibung gelesen … dann wird’s wohl stimmen.
Ist erst einmal der steile Grashang am Bergfuß gemeistert, beginnt die leichte Kletterei über die Nordost-Schulter.

Als mir der Berg zum wiederholten Male mit der Frage “WOOO SIND DIE HÄNDE” das Mikro entgegenstreckte, beschloss ich, die Steck’n zu versteck’n – und freihändig weiterzugehen.

In zahlreichen Serpentinen geht es durch den Fels – den Abschluss bildet ein seilversicherter Kamin.

Am oberen Ende des Kamins wird man direkt am Gipfelgrat ausgespuckt – bis zum Ziel sind noch weitere 10 Gehminuten zu meistern, in deutlich einfacherem Gelände. Die erste Gedenktafel unterwegs ist Fabio Monti gewidmet – der italienische Soldat versuchte inmitten des Ersten Weltkrieges, den von den Österreichern besetzten Gipfel im Alleingang für Italien zurückerobern – die Sache ging aber für ihn nicht gut aus.
(Übrigens – wer sich für den Stellungskrieg zwischen Wolayersee und Luggauertörl interessiert: Es gibt dazu einen Beitrag in der Alpenvereinszeitschrift des DAV aus dem Jahr 1926, den man sich hier als PDF herunterladen kann: https://bibliothek.alpenverein.de/…/AV_Jahrbuch_057… )
Der Artikel wurde übrigens von Eduard Pichl verfasst – nach ihm war die Wolayerseehütte bis vor ein paar Jahren benannt (mehr zum “warum nimmer?”auf seiner Wikipedia-Seite)

Um 10:00 vormittags stehe ich dann alleine am Gipfel – also ich und der Nebel halt.

Ich gönne mir eine ganze Stunde da oben, um zwischen den Nebelbändern den einen oder anderen Blick ins Tal zu erhaschen, wie hier hinunter ins Val di Londo. Ganz rechts (mit riesen Almstall) steht die Malga Antola – gleich daneben habe ich vor einigen Jahren auf meiner Fernwandertour von Wien nach Monaco gezeltet (im Link das letztes Foto): https://www.vergissmi.net/?p=3236

Bei freier Sicht würde ich in dieser Blickrichtung in 40 km Entfernung den mächtigen, auch von Kärntens Gipfeln fast immer zu sehenden Antelao sehen – heute reicht es allerdings nur für den Monte Rinaldo vis-a-vis.

Auf dem Retourweg schaue ich bei dieser, aus dem Stein gehauenen “Unterkunft” der österreichischen Soldaten vorbei, die hier zwischen 1915 und 1917 ganzjährig die Stellung hielten. Im Winter 1916 lagen in den Karnischen Alpen übrigens zwischen vier (!) und neun (!!) Meter Schnee (Tal bzw. Berg).
Die ca. 10 m2 große Felsnische befindet sich wenige Meter von der Gedenktafel für Fabio Monti.

Zurück zum Hochweißsteinhaus gibt es eine interessante Alternative zum Aufstieg, nämlich den Weg über den Passo Sesis im Süden und der wunderbaren Querung zum Öfner Joch durch das obere Fleonstal mit Blick auf seine verfallenen Almen. Da ich das aber schon kenne und wegen dem Nebel vom Aufstieg ohnehin nix mitbekommen habe, entscheide ich mich dazu, nochmals die Direttissima zur Hütte zu nehmen. Am Bild der Blick hinunter zum Hochalpljoch.

Bald nach dem Joch gibt der wolkenreiche Himmel zeitweise Blicke bis hinunter ins Lesachtal frei – zumindest aber bis zum Hochweißsteinhaus und zur (heute sonnigen) Ingridalm, wo der ganze Spaß begann.

Zusammengefasst: Großartige Bergtour mit leichten Kletterstellen (UIAA I) mit empfehlenswerter Übernachtung im Hochweißsteinhaus.

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Last modified: 29. Juli 2023
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