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[Tag 025, 026 & 027] Srečno, Slovenia!

Kindchen, wie die Zeit vergeht! Die Distanz zwischen mir und Monaco ist bereits auf 95 Tagesetappen zusammengeschrumpft. Und mit Slowenien liegt nun auch der erste Staat hinter mir, dessen Anteil an den Alpen ich durchquert habe.

An die Ich-Form muss ich mich nun leider gewöhnen. Fräulein A’s Urlaub ist zu Ende, ab nun ziehe ich alleine durch die Berge. Weshalb ich bei diesem Bericht noch ein letztes Mal auf ihre Dienste als hübscher Farbpunkt auf den Bildern zurückgreifen kann.

Ein Blick retour, und ein paar “uns” bring’ ich noch unter: In der Nähe von Trzic haben wir uns von der Via Alpina verabschiedet, weil diese zwar mehr von den Karawanken, dafür aber recht wenig vom Triglav Nationalpark mitnimmt. Wir haben nun eine sehr schöne Strecke gesehen, die von den Steiner Alpen mitten ins Herz des Nationalparks führt, und freuen uns recht, dass wir uns so entschieden haben.

Mit dem Wetter haben wir am Weg nach Stara Fužina auch Glück – gleich in der Früh traumhafte Fernsicht direkt zum Dreikopf

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500 Meter tiefer bietet sich uns dasselbe Bild. Die Wiesen im Voje-Tal werden in den kommenden Tagen gemäht, wir dürfen noch mitten durch das hohe Gras. Das traumhaft schöne Tal wird von der Mostnica durchströmt, die wiederum direkt in den Bohinjsko jezero (Wocheiner See) mündet.

Die Orientierung ist also nicht allzu schwierig, sodass wir uns auch ein wenig umschauen können, ohne gleich ins Verderben zu rennen.

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Am unteren Ende des Tales tost die Mostnica durch eine Schlucht …

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… der Tag steht also ganz eindeutig im Zeichen des Wassers. Was erfreulich ist, denn das gibt’s im Kalkgebirge nicht immer und überall. Das Nordufer des Wocheiner Sees ist gänzlich unverbaut, nicht einmal eine Straße befindet sich dort. Unzählige winzig kleine Buchten schnüren sich entlang des Ufers auf, und wer ohnehin gerne geht, kann sich irgendwo in der Mitte des Nordufers sicher sein, einen dieser Mini-Traumstrände ganz für sich alleine zu haben.

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Was das Essen betrifft, geht’s uns in Slowenien ebenfalls sehr gut. Unsere Nachbarn kochen gut, gehaltvoll – und vor allem viel. Völlig unverständlich, wie das geht, dass wir in den letzten zwei Wochen keinen einzigen dicken Slowenen gesehen haben! Fleisch und Gemüse spielen auf der Speisekarte die Hauptrolle, Nudelgerichte sucht man allerdings vergeblich (was uns Spaghettisüchtigen vielleicht eher auffällt als sonst wem).

Ganz anders sieht es auf den slowenischen Berghütten aus: Gesetzliche Rahmenbedingungen gönnen den Hüttenwirten nicht allzuviel Bewegungsfreiheit bei der Gestaltung der Speisekarte. Weshalb die Auswahl auf den Hütten meist ziemlich ident ist – und aus drei Hauptspeisen besteht: Jota (Krautsuppe), Ričet (Ritschert) und die Kranjska Klobasa, also eine Bratwurst, die es wahlweise auch in, neben oder auf den vorangegangenen Gerichten gibt. Meist gibt es auch noch Štrukli, einen gekochten Topfenstrudel, doch der war selten notwendig, um satt zu werden.

Käse gibt es in der Gastronomie übrigens überraschend selten, und auf Berghütten so gut wie gar nicht. Weshalb wir sofort zugeschlagen haben, als es in der Koca pri Savici einen Teller mit Käse aus der Bohinj Region gab. Besonders hervorzuheben der Hartkäse, der hier unverdienterweise ein wenig in den Hintergrund gerückt ist:

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Gut gestärkt stiegen wir am nächsten Tag durch die steile Komarča-Wand ins Tal der sieben Seen auf. Aufbruch um 6 Uhr morgens, damit wir beim Aufstieg der Hitze ein Schnippchen schlagen. Kurz vor 8 Uhr stehen wir bei See Nummer eins, dem felsumrahmten Črno jezero …

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Einzwei Stunden später kommen wir bei der bestbesuchten Schutzhütte Sloweniens vorbei. Die Koča pri Triglavskih jezerih steht direkt oberhalb unseres Sees Nummer zwei.

07Am Ende der berühmtesten Wanderung Sloweniens steht die Zasavska koča na Prehodavcih, eine der spektakulärsten Hütten, die ich je gesehen habe: Direkt auf einem Felsplateau, umringt von ALLEN prominenten Bergen Sloweniens. Hier muss ich unbedingt einmal übernachten – der Sonnenauf/-untergang hier ist sicher ein ziemliches Erlebnis.

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Für uns ging’s allerdings noch ins Tal hinunter. Ein faszinierender Weg, der – wie viele Wege hier – seinen historischen Wurzeln wohl in den Wirren des Ersten Weltkrieges hat, führt beinahe 1500 Höhenmeter hinab nach Trenta.

169Am nächsten Tag kommen wir über den Vršič-Pass der italienischen Grenze schon überraschend nahe. Waren wir die letzten Wochen meist alleine unterwegs, gab’s hier ein ordentliches Gewusel.

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Eine Premiere gab’s beim Abstieg zum Dom v Tamarju. Erstmals müssen wir _unter_ einem Schneefeld durch.

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Nun trennte uns nur mehr ein Radweg-Walk von der Staatsgrenze zu Italien. An der Grenze große Freude, denn Astrid hat ihr Ziel, in ihrem Urlaub von Graz bis nach Italien zu kommen, erreicht.

Wegen der Sonne haben wir uns dann aber doch für die andere Seite des Grenzschildes entschieden …

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… bevor wir uns von Slowenien endgültig verabschiedeten. Nach “Servus” in der Steiermark hieß es …

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… bevor es nun in den nächsten drei Monaten vor allem “Ciao” heißen wird.

Mein persönliches Resüme: Slowenien entwickelt sich langsam aber sicher zu meinem Lieblingsziel außerhalb Österreichs. Das Land ist unglaublich schön – und die Slowenen sind erstaunlicherweise _immer_ gut aufgelegt.

Mahlzeit!

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Schlagwörter: Last modified: 4. Juli 2016
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